Sonntag, 12. August 2012

Produkttest: Wilmersburger Scheiben

Gestern war ein wirklich denkwürdiger Tag für alle Veganer und für die, die bislang vergeblich nach einem adäquaten Ersatz für Scheibenkäse gesucht haben, der nicht nach Ersatz, Chemie oder Schlimmerem schmeckt!
Wilmersburger hat etwas ausgetüftelt, das visuell keinen Zweifel aufkommen lässt: Alles Käse! 
Exklusiv gab es gestern beim Veggie Street Day in Dortmund schon einen Vorverkauf zum Sonderpreis, bevor das Schätzchen am kommenden Mittwoch offiziell auf den Markt kommt! Damit hat Wilmersburger etwas geschafft, was nach meinem Dafürhalten viele andere Hersteller bislang - wenn auch redlich bemüht - vergeblich versucht haben. Ein echter Meilenstein in der deutschen Geschichte veganen Lebens (sorry, aber auch wenn ich zu Übertreibung neige: es ist einfach so!^^)!

Natürlich mussten wir uns ebenfalls ein Paket einpacken und heute dann den Test wagen. Ich war schon sehr positiv eingestimmt durch unzählige Begeisterungsstürme in diversen Facebook-Gruppen! Doch nun zu den Datails:


Optisch kommt der Wilmersburger Käse genauso daher wie ein Kuhmilchkäse. Sogar Löcher weist er auf!;-) Die Scheiben sind nicht zu dick, was ich persönlichsehr  begrüße. Die Konsistenz und das Gefühl beim Anfassen sind absolut vergleichbar mit dem Empfinden beim tierischen Pendant. 
Nun zum Geschmack: Mild, wie eine Mischung aus Butterkäse und jungem Gouda! Wir haben den Käse mehrfach pur probiert und konnten nur immer wieder feststellen, dass wir keinen Unterschied schmecken im Vergleich zum Original (und es ist nicht wirklich lange her, dass wir Kuhmilchkäse auf dem Tisch hatten). So muss Käse für mich schmecken: nicht zu intensiv, mild und natürlich. Dadurch, dass er so mild ist, passt er vielleicht besser zu einem nicht zu intensiven Brot/ Brötchen, da sonst zuviel von dem eben sehr milden Aroma verschluckt wird!
Der soja- und glutenfreie Käse eignet sich nicht zum Überbacken, wohl aber zur Sandwich-Produktion! Für Aufläufe und vergleichbare Fälle kann man aber auch getrost auf Wilmersburger Pizzaschmelz oder selbst gemachten Hefeschmelz zurückgreifen.
Preislich liegt der Wilmersburger Käse bei 2,999 € für 150g (6 Scheiben), also kein No Go für den kleinen Geldbeutel!
Er ist im Kühlschrank 40 Tage haltbar, kann aber auch eingefroren werden! Erhältlich ist er in vegan-vegetarischen Onlineshops, oder in den bislang rar gesäten veganen Geschäften. Aber in Zeiten, wo es möglich ist, etwas geschmacklich so Großartiges zu produzieren wie diesen Käse (nein, ich werde nicht dafür bezahlt!), hoffe ich auf den Tag, wo es auch möglich sein wird, leckeren, veganen Käse wie diesen im Bioladen oder (Utopia ist nahe!) im normalen Supermarkt zu kaufen!

Fazit
Bislang hatte ich kein Käseproblem! Jetzt habe ich eines! ;-) Wer milde Sorten mag, wird (ziemlich sicher) begeister sein! 

Edit 15.08.2012:

Zutaten laut Wilmersburger (Anfrage vom 15.08.2012):  
Wasser, Palmöl (23%), Kartoffelstärke, Stabilisator: modifizierte Stärke, Salz, Schmelzsalz: Natriumpolyphosphat, vegane Aromen, Konservierungsstoff: Sorbinsäure, Farbstoff: Beta-Carotin

Wilmersburger hat sich geäußert zu meiner Anfrage wegen potenziell enthaltenem Palmöl im Wilmersburger Scheibenkäse: 

"In ein paar Wochen werden wir das Zertifikat zur Nachhaltigkeit bekommen. Inhaltlich bedeutet es:
- Keine Rodung von Primärwäldern und ökologisch wertvollen Waldflächen für Plantagen,
- Schutz gefährdeter Tier- und Pflanzenartenarten auf der Plantage,
- Schutz von Wasser, Boden und Luft (das bedeutet unter anderem: kein Abbrennen von  
  Wald),
- Einhaltung gesetzlicher Regelungen, darunter Landnutzungs- und Eigentumsrechte,
- Keine Kinderarbeit, dafür Bildungsangebote für die auf der Plantage lebenden Kinder,
- Einbindung und Förderung von Kleinbauern sowie
- Kontrolle der Plantagen durch unabhängige, autorisierte Prüfer

Das Produkt ist natürlich auch gentechnikfrei.
Viele Grüße, Das Wilmersburger-Team"


Zu dem Zertifikat ist anzumerken, dass die Regenwaldrodung natürlich dennoch geschieht: "Firma A lässt roden, Firma B kauft die Fläche und sagt bei RSPO, dass sie dort gerne zertifiziertes Palmöl produzieren möchte – und bekommt natürlich ohne Probleme das Zertifikat, weil sie ja keine neue Rodung betreibt, sondern bestehende Flächen nutzt." (Danke, Jörg, für diese "Dummenerklärung"!)

Es bleibt wie immer dem Verbraucher überlassen, wie er mit der Palmöl-Problematik umgehen möchte, die ja nun nicht wenige Produkte betrifft!


Edit und Fazit vom 26.08.2012: 
Ich lerne nie aus. Anfänglich ungetrübt begeistert, muss ich heute meine Meinung schwer revidieren:
Der große Palmöl-Anteil ist für mich nicht nur aufgrund von Tierliebe ein ernst zu nehmender Wermutstropfen, wohl mehr ein Wermutsbach. Wünschenswert wäre, dass Hersteller wie Wilmersburger daran arbeiten, palmölfreie leckere Alternativen herzustellen, die bezahlbar sind, was wiederum ein Paradoxon in sich ist - bislang! Aber man darf ja träumen...
 Nachdem für mich der Stein des Anstosses zum Thema Palmöl kurioserweise durch Wilmersburger kam, habe ich begonnen, mich in die Thematik einzuarbeiten, wobei mir Cara sehr behilflich war! Danke schön an dieser Stelle! Ich stehe noch ganz am Anfang damit, aber eins ist klar: Ich bin dabei, bewusster hinzuschauen und werde dieses Käse nicht mehr kaufen, auch wenn er noch so lecker ist!
Wilmersburger ist nur einer von vielen Herstellern, die Palmöl verarbeiten, da es ja so schön billig ist und da es einen zarten Schmelz garantiert. Es geht auch anders, wie viele Hersteller wie z.B. auch Wheaty zeigen.
Ich möchte in künftig wachsamer sein und halte mich vorerst ans Selber-Machen von Käse, Keksen und Fleischersatzprodukten, um nur einige Produkte zu nennen, bei denen potenziell Palmöl verarbeitet wird!

Geschmacklich eine 1, insgesamt leider nach meinem heutigen Stand weder vegan, noch sozial oder ökologisch vertretbar, demnach eine 3-4!

Edit vom 03.10.2012
Vor einigen Tagen hat Wilmersburger verkündet, dass die neue Rezeptur palmölfrei ist. dafür wird nun Kokosöl verwendet. In meinen Augen ist das nicht wirklich eine Alternative. Zwar wird für Kokosöl weniger gerodet. Das liegt aber an der enormen Nachfrage für Palmöl. Wenn wir als Konsumenten nun umschwenken und mehr Kokosöl wollen, was passiert dann? Richtig: Leid wird gegen Leid getauscht.
Es geht in meinen Augen auch nicht darum, "einfach", wo möglich, regionale Alternativen zu wählen, wobei das schon ein Schritt wäre. Es geht mehr noch um bewussteren Konsum:  nur das nehmen, was wir wirklich brauchen, kein bzw. weniger Luxus auf Kosten von Umwelt, Menschen und Tieren, weniger wegschmeißen, mehr selber machen und dadurch die Distanz abbauen zu Produkten, die durch Kinder- bzw. "Sklaven"-Arbeit entstehen, tierischen Ursprungs sind und/ oder die Umwelt belasten. Es sind kleine Schritte, die wir tun können, aber ich bin überzeugt, dass sie zählen.
Für mich bleibt der Wilmersburger weiterhin keine überzeugende Alternative! Das ist meine Wahl, die ich keinem aufdrängen will. Ich möchte nur erklären, warum der Wilmersburger auch palmölfrei für mich nicht in Frage kommt.
Es gibt noch genügend Produkte, die ich -logisch gesehen- streichen "müsste". Alles nach und nach - im eigenen Tempo und nachdem ich mich dem genähert habe!

Kommentare:

  1. Sehe ich genauso! Ich hab zwei Pakete mitgenommen und ärgere mich schon, dass ich nicht mehr eingepackt hab. *gg*

    Endlich mal ein was essbares an Käse!

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  2. bin schon sooooo gespannt auf den Käse. Wird nach meinem Urlaub sofort bestellt.

    LG Biggy

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  3. Na, jetzt bin ich aber auch riesig gespannt!

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  4. Ihr dürft mit Recht gespannt sein! ;-) Nur noch zwei Scheiben - o weh!

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  5. Der ist SUPERLECKER :-)
    Habe letzte Woche bei der Rabattaktion von allesvegetarisch 5 Packungen bestellt.
    1 fiel uns direkt zum Opfer - 4 wurden eingefroren.
    Eine Packung wurde bereits dem Froster entnommen und ist wie frisch :-)

    Was das Palmöl betrifft, kommt der größte Teil welcher für die zertifizierten Lebensmittel (auch für Alsan) verwendet wird aus speziellen Plantagen aus den Niederlanden.

    Das Palmöl, für das den Tieren der Lebensraum genommen wird, findet fast nur Verwendung in der Industrie oder wird von Firmen wie z.B. Ikea für Kerzen und weitere Produkte verwendet. Es wäre qualitativ zu schlecht für die Lebensmittelindustrie.
    Ich beschäftige mich bereits seit ein paar Jahren damit (schon bevor der Hype darauf losging) und kaufe dadurch auch nix mehr bei Ikea. Habe auch sehr viele Schreiben an Firmen (auch an Ikea) rausgeschickt, wo er darum geht, dass sie darauf verzichten sollen.

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    1. Hallo du! Ich hoffe, du liest das nochmals! Woher hast du die Info, dass das Palmöl aus den Niederlanden kommt? Finde das sehr interessant, was du schreibst, und bin froh, dass du deine Erfahrungen mit uns/ mir teilst! Ich bin erst dabei, mich in die Thematik einzuarbeiten. Vielleicht können wir uns mal per Mail darüber austauschen. Wäre sehr interessiert an ein paar einschlägigen Seiten zum Thema!
      LG, Momo

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    2. Bitte Ihr Lieben! Palmöl aus den Niederlanden!

      Wen es interessiert kann gerne in den Link schauen zum Thema Palmöl:
      https://www.regenwald.org/aktion/554/palmoel-aus-kolumbien-vertreibung-fuer-deutsche-bioprodukte

      Grüße, Pia

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    3. Liebe Pia,

      mittlerweile habe ich mich ebenfalls schlau gemacht und kann deine Quellen nur immer wieder bestätigen. Als Neuling auf dem Gebiet ist man doch sehr schnell versucht, sich von all´ den schönen Zertifikaten und Worten blenden zu lassen. Mittlerweile scheint es aber zumindest so zu sein, dass Wilmersburger an einer palmölfreien Rezeptur arbeitet. Ich bin gespannt!

      LG, Momo

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  6. Dein Wunsch, den "Käse" im normalen Supermarkt finden zu können, ist in Erfüllung gegangen: sehr tief im Westen von Deutschland liegt er hier nicht nur im Reformhaus, sondern auch im Supermarktbereich einer Kaufhauskette! Ich habe auch nicht schlecht gestaunt und vor lauter Freude ein bisschen kreischen müssen :-)

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    1. Ja, mittlerweile findet man ihn sowohl in kleineren Bioläden als auch in Supermarktketten. :)

      LG, Frau Momo

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  7. Hallo!
    Palmoel und Kokosoel sind ungesund fürs Herz.

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