Montag, 29. Oktober 2012

Buchempfehlung: Fast nackt. Mein abenteuerlicher Versuch ethisch korrekt zu leben


Eins kurz vorweg: Dieser Beitrag hat nur u.a. etwas mit Essen und von daher auch nichts mit dem Month of Food zu tun! Ich will aber heute dennoch über das o.a. Buch schreiben - ist ja schließlich mein Blog! :-D Und ich habe gerade mal - das wird nicht von Dauer sein, keine Sorge - die Schnauze voll, immer nur Kochrezepte zu entwickeln, auszuprobieren und darüber zu bloggen. Ja, ich gebe es zu: Auf den letzten Metern bzw. während der letzten Tage des MoFo musste ich feststellen, dass es ganz schön anstrengend werden kann, sich immer wieder Tag für Tag geballte Inspiration abzuverlangen, zu recherchieren und rechtschreibfehlerfrei und unterhaltend darüber zu schreiben, wenn man noch ein Leben neben der Bloggerei hat. An sich finde ich die MoFo-Sache ja ganz toll, aber für die Zukunft weiß ich, dass ich eher anfange mit den Vorbereitungen oder es eben sein lasse! Soll ja schließlich auch mir als Blogger Spaß machen und nicht nur dem geneigten Leser!;-)
Und da mein "Soll" von mindestens 20 Beiträgen erfüllt ist, besinne ich mich heute darauf, dass  "Einfach vegan leben" auch noch Anderes als immer nur Essen für mich beinhaltet und widme mich einer Buchbesprechung, die mir schon lange im Kopf herumschwirrt:
Fast nackt: Mein abenteuerlicher Versuch, ethisch korrekt zu leben*

Dieses Buch hat gute Chancen, dasjenige zu werden, das mich dieses Jahr am meisten beeinflusst hat. Schatzi und ich haben es beide während unseres Mallorca-Urlaubs gelesen (Ja, ich weiß: Im Urlaub soll man eigentlich entspannen!) und haben viel über den Inhalt und die Konsequenzen für unser Leben diskutiert. Doch von vorne:
Leo Hickman, seines Zeichens Jourmalist, hat seit Jahren ein schlechtes Gewissen, weil "man doch eigentlich mehr tun müsste"! Dieses Mehr bezieht sich auf den Versuch, innerhalb der Gesellschaft (und nicht als Aussteiger) eine ethisch korrekte(re) Lebensweise anzunehmen - zumindest für ein Jahr. Denn solange soll der vom Arbeitgeber (dem Guardian) an ihn heran getragene Selbstversuch vorerst währen: ein Jahr bewusster mit den Ressourcen umgehen, die zur Verfügung stehen, Veränderungen vornehmen in allen möglichen Bereichen des Lebens: Ernährung, Energie, Kleidung, Kosmetik usw. Hickman ist schnell klar, dass er dabei Hilfe braucht, denn wie soll er bei dem Dschungel an "Do´s und Don´ts" und den gegebenen Widersprüchlichkeiten als Normalsterblicher mit Familie und Beruf durchblicken? Und so engagiert er kurzerhand drei Berater, die ihm bei seinem Experiment mit ihrem Know-How zur Seite stehen sollten. Und das tun sie gründlich: Innerhalb kürzester Zeit stellen sie Hickmans Leben und auch das seiner nicht ganz so begeisterten Frau auf den Kopf und in Frage, so dass der Protagonist nach der gründlichen Analyse im wahrsten Sinne "fast nackt" da steht. Und zudem völlig überwältigt ist. Doch er geht es an und stellt Stück für Stück sein Leben um und liefert dem Leser dabei Anregungen, die Gott sei Dank kein Dogma sind. Denn eins erkennt er recht schnell: Man kann nicht jede Minute ethisch korrekt leben! Aber man kann kleine Schritte machen und Prioritäten setzen. 
Wir beide  haben oft schallend gelacht im Angesicht der urkomischen, nur zu plastischen Schilderungen seines Alltags und uns dann wieder gefragt, wie weit man gehen kann, ohne dass die Familie dabei auf der Strecke bleibt. Ich habe mir Nächte um die Ohren geschlagen und immer wieder den Gedanken gewälzt, dass es offenbar wirklich so ist, wie die Buddhisten sagen: "Alles Leben ist Leiden"! - Oder? Ich litt mit Hickman bzw. seiner armen Frau, war überfordert und lernte vor allem eins: Mir selbst zu verzeihen, dass ich überhaupt einen ökologischen Fussabdruck habe, nicht perfekt bin, nur einen Schritt nach dem anderen machen kann, von denen jeder einzelne zählt. Im Ernst: Hickmans Buch war Balsam für meine geschundene Seele, die bei all den Veränderungen gar nicht nachkam, von deren Notwendigkeit ich überzeugt war: Vegane Lebensweise, regionale, saisonale, fair gehandelte Bioprodukte, Konsumkritik, Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung - HILFE!!! An dieser Stelle schlitterte Hickman in mein Leben, und mit einem Mal hatte ich einen Leidensgenossen, der genau das fühlte und dachte, was ich fühlte und dachte: Man kann doch nicht alles ändern! Endlich mal einer, der nicht mit dem erhobenen Zeigefinger drohte, den ich mir selbst gegenüber ständig auspackte vor lauter Ansprüche an mich selbst. Nein, er war einfach menschlich, an vielen Stellen absolut angreifbar, noch nicht einmal Veganer!;-) 
Hickman ist schuld daran, dass wir seit Neustem eine Gemüsetüte haben, um nur eine von den sichtbaren Veränderungen zu benennen, zu denen er uns durch sein eigenes Beispiel inspiriert hat - dabei geht es immer um eine Möglichkeit unter vielen! Vor allem jedoch haben sein herzerfrischendes Buch, sein Humor bewirkt, dass ich versuche, mir gegenüber milder zu sein. Nicht um jeglichen Fehltritt zu entschulden. Aber wenn ich  mich um eine ethisch korrekte Lebensweise bemühe, schließt mich das doch auch ein, oder?;-)

Interesse? Bitte, gerne!:
Fast nackt: Mein abenteuerlicher Versuch, ethisch korrekt zu leben*

Kommentare:

  1. Vielen Dank für diese Buchempfehlung, von alleine wäre ich da nicht drauf gestoßen. Mir geht es genauso wie dir: Je mehr man anfängt über die ganzen Zusammenhänge nachzudenken, desto mehr fahren die Gedanken Karussell. Vorbei die Zeiten,in denen man noch entspannt durch den Supermarkt schlendern konnte und, genauso wie du geschrieben hast, schreit man irgendwann nur noch HILFE! Ich bin schon gespannt auf die hoffentlich inspirierenden und tröstenden Erkenntnisse während der Lektüre. Habe es mir gleich bestellt - bei der kleinen Buchhändlerin um die Ecke selbstverständlich. ;-)
    Liebe Grüße,
    Luni Popuni

    P.S:Toller Blog!

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    1. Liebe Luni,

      danke schön und gern geschehen. Ich hoffe, es gibt dir genausoviel wie mir! :) Anreiz, aber auch das Gefühl, sich selber stehen lassen zu können!

      Liebe Grüße,
      Frau Momo

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