Montag, 8. Oktober 2012

MoFo: #8 Deutschland: Pickert (Kartoffelbrot)


Eigentlich wollte ich dieses Rezept schon am Tag der Deutschen Einheit posten. Wer jedoch meinen Vegan Wednesday dieser Woche mitbekommen hat, der weiß, dass aus meinem Vorhaben, Pickert zu backen, erst mal nichts wurde. Warum? Lest selbst. Stattdessen entstanden Pickertini: Küchlein aus einem dünnflüssigen Kartoffelbrotteig, die wir mit warmem Kompott gegessen haben. Da es echt lecker war, will ich euch das Rezept als Variante des echten Pickert nicht vorenthalten. Könnte ja sein, dass ihr ebenfalls mal aus Versehen grobe Kartoffelraspeln fabriziert statt feine...
Aber was ist das nun eigentlich? Pickert ist eine regionale Spezialität aus 
Ost-Westfalen-Lippe und angrenzenden Gebieten wie Bielefeld, der Heimat meiner Großmutter, die dieses Gericht in die Familie gebracht hat.(Für die interessieierten Leser außerhalb Deutschlands oder die, welche ihre Geografiekenntnisse auffrischen wollen *räusper: Ost-Westfalen-Lippe liegt im Nordosten von Nordhein-Westfalen, einem sehr großen Bundesland Deutschlands.) Pickert basiert auf einem Kartoffelteig, der entweder im Ofen als Brot gebacken oder als "Pfannenkuchen" gebraten wird. Ein ehrliches, einfaches Essen also, genau richtig für kalte Tage!
Ich kenne Pickert in der Variante des "Kastenpickert", wie er in der Gegend rund um Bielefeld sehr beliebt ist. Dies ist ein Kartoffel-Weizenmehl-Brot, das im Ofen gebacken und, in Scheiben geschnitten, in der Pfanne ausgebraten und mit Butter gereicht wird.
Dieses Jahr gibt es nun die vegane Version unseres Familienrezeptes.
Pickert ist ein Herbstessen für mich, weil es ihn immer dann gab, wenn unser Hotel Winterpause hatte. Dann backten mein Vater und seine Mutter im großen Industrieofen große Laibe Pickert, die dann eingefroren und bei Bedarf in der Pfanne gebraten wurden. Wir Kinder haben Pickert geliebt, und so kommen mir bei diesem Essen auch immer Kindheitserinnerungen an tosende Herbststürme, Gemütlichkeit und natürlich an meine geliebte Nordsee!
Passend zum Blogeintrag wurde übrigens das vegetarische Originalrezept, das ich im Februar - noch zu meiner fleischlastigen Zeit- bei einem Rezeptewettbewerb eingereicht habe, tatsächlich angenommen und erscheint demnächst in einem gänzlich unvegetarischen Buch von Christian Hinze ("Unser bestes Kochbuch" – und nein: Ich verdiene nichts daran!^^). Mein Ansichtsexemplar hielt ich am Wochenende bereits in den Händen. Die Idee, dass Leser gemeinsam ihre Lieblingsrezepte beisteuern, finde ich immer noch toll, auch wenn es ein unvegetarisches Buchprojekt ist. Und selbst wenn ich das so nicht mehr machen würde: Ich habe immer davon geträumt, dass ich ein Rezept oder mehrere unserer Familie für die Ewigkeit festhalte und bin mir sicher, dass meine Omi von da oben runterguckt und sich mit mir freut. Mir gefällt die Vorstellung , dass irgendwo in Deutschland oder anderswo jemand Pickert nach dem Rezept meiner Großmutter bäckt. Doch genug! Hier nun die veganisierte Version:
Guten Appetit!
Zutaten für zwei kleine Kastenbrote:
2 ¼ kg Kartoffeln (Gewicht bezieht sich auf die ungeschälten Kartoffeln)
2 Eßl. Sojamehl
3 Eßl. Pflanzenmilch
etwas Salz
1 kg Mehl
40 g frische Hefe bzw. 25g Trockenhefe (1 Päckchen)
1 Eßl. Zucker
Semmelmehl für die Form
Öl zum Anbraten

Zubereitung:
1. Die Kartoffeln schälen, sehr fein reiben und die Flüssigkeit ablaufen lassen.
2. Sojamehl, Salz und Mehl unter die Kartoffeln geben. Falls die Hefe frisch ist, diese mit dem Zucker in warmer Pflanzenmilch auflösen und dazugeben, ansonsten einfach mit allen anderen Zutaten vermischen.
3. Nun muss kräftig geknetet werden. Am Anfang denkt man, dass aus der Mehl-Kartoffel-Mischung niemals ein homegner Teig wird, der zusammenhält, aber mit etwas Geduld geschieht das Wunder!;-)
4. Semmelmehl in zwei gefettete, längliche Formen streuen. Den Teig darin um 1/3 höher aufgehen lassen.
5. Bei 175 °C je nach Ofen eine ¾ bis ganze Stunde backen. In einer gefetteten Pfanne goldgelbe Scheiben ausbacken und warm servieren! Wer Magarine isst, kann die Pickertscheiben damit bestreichen und Salz drüber mahlen. Es schmeckt aber auch wunderbar ohne! :-)


Variante: Pickertini für 4-6 Personen:


Zutaten:
1kg Kartoffeln (Gewicht bezieht sich auf die ungeschälten Kartoffeln)
200ml warmes Wasser
450g Vollkornmehl
1 Teel. Salz
1 Teel. Zucker
2 Eßl. Sojamehl
2 Eßl. warme Pflanzenmilch
1 Päckchen Trockenhefe bzw. 20g frische Hefe

Zubereitung:
1. Solltest du frische Hefe verwenden, diese mit dem Zucker in der warmen Pflanzenmilch auflösen und einige Zeit gehen lassen. Ansonsten kannst du dir diesen Schritt sparen.
2. Die Kartoffeln schälen und klein schneiden.
3. Wenn ihr nicht so eine Sauerrei haben wollt wie ich, empfehle ich euch nicht, den bereits fast fertigen Teig in den Mixer zu packen, sondern direkt zu Beginn Kartoffeln mit Wasser fein zu pürieren....
4. Alle Zutaten miteinander mischen und kräftig miteinander verrühren.
5. Den Teig eine halbe bis ¾ Stunde gehen lassen.
6. Im heißen Fett Küchlein ausbraten und mit warmem Obstkompott servieren.

Kommentare:

  1. Interessant... also bei uns sind Pickert traditionell total anders. Viel weniger Mehl, viel mehr Kartoffel, und dann werden sie glaub ich auf so einer heißen Platte gebraten...

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    1. Ja, es gibt verschiedene Versionen - je nach Region!;-) Ich kenne den wiederum nicht in der Pfannenversion!
      LG, Momo

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  2. Heey, bei uns ist morgen auch Pickertessen :)
    Allerdings sind es bei uns eher Kartoffelpfannkuchen, also ein Teig aus Kartoffeln und Mehl, der dann ausgebacken wird. Aber als Brot probier ich das auf jeden Fall aus, klingt total lecker!

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