Donnerstag, 1. November 2012

Samhain

Samhain, das keltische Neujahrsfest - steht im Zeichen von Abschied und Sterben, wie es uns die Natur und die Sonne vormachen. Samhain bietet Gelegenheit dazu, nach innen zu schauen, sich zurückzuziehen und mir zu begegnen. Mir und  meinen dunklen Aspekten. Fragen tauchen auf: Was hat überlebt, was darf gehen, ist nicht mehr dienlich, aber doch Teil von mir und Basis - sozusagen Humus - für neues Leben?... Zeit, sich diesen Fragen zu nähern, einzutauchen in den eigenen Schatten, Zeit auch, um der Ahnen zu gedenken, Verbindendes, Stärkendes zu würdigen, etwas anzunehmen, vielleicht aber auch das Eine oder Andere loszulassen.
Wie passend, dass Samhain auch Vereinigung bedeutet.;-) Und ja: es geht darum, sich zu ver-Ein-igen, mich zu einigen mit dem, was ich - möglicherweise - ins Unbewusste verdrängt und die dunkle Kammer gesperrt habn , weil ich es nicht ansehen, geschweige denn annehmen wollte. Doch bevor etwas gehen kann, will es gewürdigt werden.
Und so teile ich heute mit euch ein Ritual, das ich von hier übernommen habe, aber dabei auch meine eigene Form gefunden habe. Ich denke, jeder kann sich auf sein eigenes Gefühl, die eigene Führung verlassen. Falsch machen kann man für mein Dafürhalten nichts, nur anders.;-) Ich denke, Rituale entwickeln sich. Hauptsache, es fühlt sich stimmig an! Macht euch das Ritual zu eigen, belebt es mit euren Ideen und Impulsen. Es ist eures!


Sorgen in einen Knoten knüpfen

Was ihr "benötigt":
- Ruhe
- einen Raum für euch
- eine weiße Kerze
- einen schwarzen Faden 
- eine Schere
- eine Räucherschale oder feuerfeste Schale mit ein paar getrockneten Kräuter zum Verbrennen (ich hatte Salbei) und einem Stück Holzkohle

Zu Beginn entzünde ich die Kerze und halte die übrigen Utensilien griffbereit. Dann stimme ich mich ein. Das kann durch ein Gebet, eine Bitte um Schutz und Führung geschehen. Mir gelingt das am besten, indem ich mir dieses Gedicht laut vorlese und die Worte wirken lasse. Es muss nicht dieses Gedicht sein - es ist meine Form, und bei mir öffnet es Türen. Bilder tauchen auf, und ich bin sofort im Gefühl - ein Dialog entsteht, und ich überlasse mich der Führung meiner Schatten-Schwester.

Schatten-Schwester (von Kristin Baege)

Schau in den Spiegel und erschrecke nicht.

Du siehst deine dunkle Schwester,

die verborgene, ungeliebte,

die um Dinge weiß, die du nicht wissen willst,

die längst geerntet, was du gesät in hellen Tagen.

Schau in den Spiegel und erschrecke nicht -

deine dunkle Schwester schaut dir entgegen.

Heute ist der Tag,

an dem sie dich in die Arme schließen will,

um dich zu geleiten aus dem Licht in die Dunkelheit.

Schau in den Spiegel und hab keine Angst,

sie ist wie du - deine dunkle Schwester.

Vertraue ihr auf dem Weg, denn sie kennt die Schatten.

Heute übernimmt sie dein Geleit, um dich zur rechten Zeit wieder ans Licht zu gebären.

Tritt ihr freundlich entgegen und reich ihr deine Hand:

sie ist es, die dich heilt!


Ich vergegenwärtige mir, was offen ist, begegne dem Schatten in mir, dem, was unliebsam ist und was ich noch nicht "erlöst" habe. Hier geht es nicht um die schlichte Aufzählung von Problemen, sondern darum, wirklich einzutauchen, zu spüren und zu verstehen, wie sich all´ dies im Laufe des Lebens entwickeln konnte, woher es rührt. Hier kommen natürlich auch die Ahnen ins Spiel, denn nicht selten haben wir Dinge übernommen, Angewohnheiten, Ängste, die uns geprägt haben, aber eigentlich nicht zu uns gehören. Ich nehme mir wirklich sehr viel Zeit dazu, bis nichts mehr "kommt".
Wie würde es sich anfühlen, wenn all´ die Ängste und Sorgen nicht wären? Wie könnte ich dazu beitragen?
Für jede Sorge knote ich nun einen festen Knoten in den Faden. Da können alle Gefühle und Bilder mit einfließen. Ich mache mir bewusst, dass es Zeit ist loszulassen und vertraue, dass das gehen mag, was nicht mehr zu mir gehört. Dann schneide ich einen Knoten nach dem andern ab und lasse sie in die Räucherschale fallen. Nun entzünde ich die getrockneten Kräuter  und beobachte den aufsteigenden Rauch. Mit ihm  dürfen all´ die Sorgen und Ängste gehen. Ich segne, was war, und bedanke mich dafür, denn nur so wurde ich zu dem, der ich heute bin! Ich heisse das Neue willkommen. Wenn die Glut erloschen ist, danke ich für das Geleit meiner Schatten-Schwester und lasse das Ritual ausklingen.


Wie feiert ihr Samhain und welche Rituale begleiten euch dabei? 

Alles Liebe, Momo


Zum Weiterlesen:
Wintersonnenwende 

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