Samstag, 8. Dezember 2012

Bin ich nicht auch ein bißchen "Besser-Veganer"?

Vegan, Bioqualität, gentechnikfrei, fair trade, regional, saisonal, palmölfrei, eco - die Liste der zu beachtenden Dinge ist lang, und ich weiß mittlerweile: 100% erreiche ich nicht. Aber ich bemühe und entwickle mich, bin auf dem Weg - wie wohl jeder. 
Ich begegne immer wieder neuen Anforderungen und Erwartungshaltungen - gerade in der Vegan+-Welt, wobei das Plus eben über den kleinsten gemeinsamen Nenner "Verzicht auf tierliche Lebensmittel" hinausgeht und je nach Mensch sehr unterschiedliche Schwerpunkte haben kann. Manche mache ich mir nach Prüfung zu eigen, manche müssen warten oder ich lasse sie ganz liegen.
Gerade in den Anfängen als vegan lebendes Geschöpf war ich oft sehr verunsichert, weil es es so viel zu beachten galt. Ständig warteten die unterschiedlichsten Fallstricke auf mich und immer wieder das Gefühl, nicht zu genügen: Permanent gab es neue Do´s und Don´ts, die meiner harrten und mir ein schlechtes Gewissen vermittelten, weil ich noch nicht so weit war. 
Mittlerweile habe ich mich etwas emanzipiert und versuche, meine eigenen Maßstäbe zu finden, was dennoch eine beständige Auseinandersetzung mit meiner Lebensweise nach sich zieht und keinesfalls in Beliebigkeit ausarten soll. 
Dabei ist es mir v.a. wichtig, jedem seinen Weg zu lassen, nicht zu missionieren, menschlich zu bleiben. Sicher mache ich mich damit kritikanfällig, aber das tue ich wohl mit jeder Haltung, die ich an den Tag lege, nur dass die Kritiker wechseln! ;)
Besonders in der veganen Szene fällt mir auf, dass immer wieder Diskussionen über "die" (ethisch) korrekte, vegane Lebensweise geführt werden.
Habe ich mich nicht davon ausgenommen? Bin ich nicht jemand, der bewusst nicht diskutiert, nicht missioniert, wohl seine Werte hat, aber ansonsten super-tolerant sein und jedem seinen Weg lassen will? Und bin ich nicht auch unangenehm berührt, wenn die "Besser-Veganer"-Debatte wieder irgendwo losgetreten wird? 
Warum eigentlich? "Die" haben doch auch ein Recht auf ihre Meinung, oder etwa nicht?! 
Um die Wahrheit zu sagen: Es berührt mich, weil ich nicht so sein will! Und wo ich nicht so sein will wie xy, ist da der Schritt zum Besser-Veganer nicht ganz nah? 
Habe ich mich nicht schon mal insgeheim "besser" gefühlt, weil ich keine Besser-Veganer-Debatte führe, mich mit Fleisch-Essern gut verstehe, niemandem etwas aufzwinge? Gleichzeitig vertrete ich natürlich - bravo, Gut-Mensch - meine Werte und versuche danach zu leben... 
Ok, ihr merkt wohl, worauf ich hinaus will... Ich glaube, ein "bißchen" "Besser-Veganer" steckt definitiv in mir, wenn auch einer, der sich rühmt zu reflektieren - ja, genau so ein neunmalkluges Subjekt bin ich!*g Und nur damit ihr es alle wisst: Ich bin nicht besser als jeder Besser-Veganer! Ich habe genau so mein Ego, meine Komplexe, meine Projektionen! Danke für die Erinnerung! ;)


Alles Liebe, Momo

Kommentare:

  1. dazu ist heute n echt guter artikel erschienen: http://www.deutschlandistvegan.de/vegan-veganer-veganerer/
    das problem kennen also auch andere (mich eingeschlossen)

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    1. Hey, danke dir für den Hinweis auf den Artikel! :) Den kannte ich noch nicht!

      LG, Momo

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  2. Und ich dachte, Du beziehst Dich auf den Artikel... ;)

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    1. Ne, gar nüscht!^^ "Man" wird ja allerorts mit dem Thema konfrontiert!*g

      LG, Momo

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