Freitag, 4. Januar 2013

Lady in Red (Henna-Färberei)

ACHTUNG: Mammutpost! ;)

Ich bin rot geworden! :) Keine Ahnung, woher der Spleen plötzlich kam, ob ich zuviele Bilder von rothaarigen Bloggerinnen gesehen habe, oder, oder. Auf jeden Fall stand im Dezember letzten Jahres fest: Ich will rot rothaarig werden! Naja, bei dem Vorsatz blieb´s dann auch erst mal, und die Hennapackung lag erst mal wieder einige Wochen herum! Durch meine Facebook-Gruppe für DIY-Kosmetik und -Haushaltsreiniger habe ich dann aber doch den entsprechenden Schubs bekommen und startete am 01. Januar mit Schatzis Hilfe das Henna-Experiment.

Doch vorab ein paar Dinge theroetischer Natur, bevor es zum praktischen Teil übergeht:

Unterschiede zu chemischen Färbemitteln und Pflegewirkung
Ich habe mir bislang noch nie die Haare gefärbt, weil ich immer wieder gehört habe, dass das Haar davon brüchig und stumpf wird. Meine Mutter war da ein gutes Beispiel. Die Chemiekeule entzieht dem Haar die natürlichen Pigmente und ersetzt sie durch chemische mit der gewünschten Farbe. Im Gegensatz dazu legt sich Pflanzenfarbe wie ein Farbfilm um die äußere Schuppenschicht, greift die Haarstruktur nicht an und ist zudem sehr pflegend. Sie macht feine Haare dicker, glänzender und geschmeidiger. Dennoch gibt es auch hier unterschiedliche Erfahrungswerte, weswegen jeder selbst schauen sollte, wie sein Haar auf (häufiges Färben mit) Henna reagiert.

Qualitätsunterschiede - Welches Henna soll ich nehmen?
Henna ist ein rotfärbendes Pulver des Hennastrauchs, das aus den getrockneten Blättern und Stängeln gewonnen wird. Der Hennastrauch wächst in Indien, in Ostafrika, im gesamten Orient aber auch in Nordaustralien, sowie im tropischen Amerika. In dem Zusammenhang (und mit besonderem Verweis auf schwarzes Henna, das keinen Naturkosmetik-Richtlinien entspricht) bitte ich euch, das folgende Video anzuschauen, das ich bei der Zombiekatze entdeckt habe. Ab Minute 5:37 des Videos geht es dann nicht mehr um giftige Kinderschminke, sondern tatsächlich um Henna. ;)


Hier findet ihr eine konkrete Stellungnahme hierzu seitens Logocos Naturkosmetik AG bezüglich der Produktionsbedingungen und zudem Infos zu schwarzem Henna.
Bei meinem ersten Versuch wusste ich vieles noch nicht, weswegen ich bedenkenlos beim Türken zugegriffen habe. Beim nächsten Mal möchte ich dagegen darauf achten, nur noch Henna zu kaufen, das entsprechende Naturkosmetik-Richtlinien erfüllt (so z.B. Henna von Sante, Khadi und Logona  – schaut euch am besten im Bioladen um und lest auf den entsprechenden Seiten nach!). Mittlerweile habe ich einiges über Henna gelesen und weiß: Henna ist nicht gleich Henna: Nicht selten ist noch Chemie beigemischt, wie Blei und Pestizide, die Krebs erregend sein können, mal abgesehen von Allergien, die natürlich grundsätzlich auch bei der Verwendung von reiner Pflanzenfarbe auftreten können ( bei Vorbelastungen bitte vorab einen Allergietest machen!). Möglich sind sogar im schlimmsten Fall Vergiftungen und Erbgut- oder Hautschädigungen - wie gesagt: bei qualitativ minderwertigem, gepanschtem Henna. Besondere Vorsicht ist bei schwarzem Henna geboten, das keinen Naturkosmetikstandards entsprcht, da diese Mischung nicht selten die chemische FarbsubstanzPPD (Phenylendiamin) beinhaltet, welche schwere allergische Reaktionen auslösen und zu irreparablen Hautschäden führen kann. 
 Auch bei den Arbeitsbedingungen heisst es: kritisch sein und genau hingucken! Geiz ist eben nicht mehr geil, wenn er zulasten Anderer oder der eigenen Gesundheit und Schönheit *g geht.
Also am besten nur 100% pflanzliches Henna in Naturkosmetikqualität kaufen. Das Henna sollte eine grüne oder braune Farbe haben und nach getrockneten Pflanzen oder frisch gemähtem Rasen riechen. Du solltest diesen Geruch mögen, denn er begleitet dich auch später, aber nicht so intensiv – keine Angst! ;) Lass die Finger von Henna, das violett oder schwarz ist oder einen chemischen Geruch aufweist.

Viele bunte Farben - und was sonst noch?
Neben der färbenden Wirkung für Haut, Haar und Nägel wird Henna auch rein zur Pflege eingesetzt. Für solche Fälle gibt es z.B. farbloses Henna. Pflanzenfarbe kann man in verschiedenen Farbnuancen erstehe, wobei dem rotfräbendem Henna weitere, natürlich färbende Rohstoffe wie Walnuss, Indigofera und Hibiskus zugefügt werden. Diese Pflanzenfarben sind auch untereinander kombinierbar, so dass jeder seinen individuellen Farbton mischen kann.
Das Farbergebnis hängt sehr vom individuellen Haartyp und der Ausgangsfarbe ab, was bedeutet, dass man ein wenig Experimentierfreude mitbringen sollte! Aus Blond wird eher Orangerot, während Brünette tendenziell weinrote Farbnuancen erzielen werden. Grundsätzlich kann man sich die Haare nicht damit aufhellen, wohl aber bei schwarzem Haar durch eine entsprechende Farbwahl einen Rotschimmer bewirken.
Je nach Häufigkeit der Haarwäsche und Farbintensität muss nach etwa 4-8 Wochen nachgefärbt werden. Je häufiger mit Henna gefärbt wird, desto intensiver wird das Ergebnis.
Ein Umstieg auf Chemie ist danach, wie ich gelesen habe, wohl nicht so ohne Weiteres möglich, wenn man nicht sehr experimentierfreudig bezüglich kurioser Farben ist... Insofern empfiehlt sich im Fall des Falles die Beratung durch einen erfahrenen Friseur eures Vertrauens.
Die Färberei braucht ihre Zeit und somit Geduld. Das ist nichts für „mal so eben“. Je nach Einwirkzeit veranschlagt man am besten zwischen 3 und 13 Stunden! :D Dazu unten bei der Vorgehensweise mehr. 
Und nun genug der Theorie! Gehen wir über zum praktischen Teil! :)

Ihr braucht:

- Henna (1 Packung für eine Haarlänge, wie ich sie habe, bei längeren Haaren 2-3 Packungen)
- warmes bis heißes Wasser
- optional Zusätze oder statt Wasser: schwarzer Tee oder Kaffee (verstärkt Indigoschwarz), Rotwein (verstärkt Hennarot), Zitronensaft, ätherische Öle, Öl...
- etwas zum Abdecken: am umweltschonensten wäre ein Stoffbeutel (der deckt aber nicht ganz so toll ab!) oder eine wiederverwendbare Badekappe – in manchen Packungen ist auch eine Plastikhaube enthalten, sonst noch denkbar: Plastik- oder Alufolie
- Zeitungen zum Abdecken des Bodens
- alte Klamotten oder 1-2 große Müllsäcke (die dann bitte wiederverwerten, sie sind leicht zu reinigen)
- alte Handtücher
- Wäscheklammer
- Schere
- Stöckchen zum Rühren
- Schüssel (sollte schmutzig werden können)
- wiederverwendbare Gummihandschuhe
- Fettcrème oder Olivenöl (um den Hautansatz vor Verfärbungen zu schützen)
- im Fall von Verfärbungen helfen Olivenöl, Zitronensaft oder Backnatron
- Waschlappen, der schmutzig werden darf, oder Küchenrolle
- Fön


So geht ihr vor:
1. Ob man sich vor dem Färben die Haare nun wäscht oder nicht, muss jeder selbst wissen. Dazu gibt es gespaltene Meinungen. Silikonshampoos sind nicht zu empfehlen, da sie die Aufnahme der Farbe beeinflussen. Das Balea Professional Tiefenreinigung Shampoo ist z.B. vegan und silkikonfrei, allerdings gibt es garantiert Naturkosmetik aus dem Bioladen um die Ecke, die noch besser geeignet ist. Ich habe es ganz simpel gehalten und mir einen Tag zuvor die Haare so gewaschen: eine alte Shampooflasche o.ä. mit 1 Eßl. Backnatron (= Natriumhydrogencarbonat, nicht zu verwechseln mit Natriumcarbonat) und 200ml Wasser füllen. Schütteln. Damit die Haare wie gewohnt waschen und danach eine saure Rinse machen: Dosierflasche mit kaltem Wasser und 1 Eßl. Zitronensaft oder Apfelessig füllen, schütteln, die Hälfte auf dem Haar verteilen und drinne lassen. Auf jeden Fall keine Stylingprodukte vor dem Färben verwenden, da dies ebenfalls die Aufnahme der Farben erschwert. 
2. Das Pulver in die Schüssel geben und mit sehr warmen bis heissem Wasser begießen (, optionale Zutaten dazugeben bzw. das Wasser durch Tee/ Kaffee/ Rotwein ersetzen), umrühren bis eine geschmeidige, streichfähige Paste entsteht, die nicht zu flüssig oder zu fest sein sollte.
3. Während das Pulver auf der Heizung etwa 15 Minuten quillt, könnt ihr euch und das Badezimmer schon mal auf die Färberei vorbereiten. Am besten hilft euch jemand, dann ist es einfacher. Den Boden auf jeden Fall mit alten Handtüchern, Zeitung auslegen bzw. Müllbeutel verwenden (ich verbrauche auf diese Weise noch meine Restbestände. Die lassen sich prima abwischen und wiederverwenden). Falls ihr eine Badewanne besitzt, verlagert die Aktion dahin. Dann müsst ihr allerdings nach Gefühl färben, da ja meist kein Spiegel in Reichweite ist. 
4. Legt alle notwendigen Materialien in Griffweite. Zieht euch selbst alte Klamotten oder eine (wiederzuverwendende) Mülltüte mit Löchern für Kopf (groß genug, damit ihr auch später durchpasst) und Arme. Handtuch um die Schultern hängen und mit einer Wäscheklammer befestigen. Schmuck bitte ablegen. Dann rund ums Gesicht am Haar- und Ohransatz mit Fettcréme oder Olivenöl einschmieren (dann ist das Reinigen der Haut nicht so ein Gebatze!!) 
5. Dann macht ihr euch die Haare nass und zieht euch die Handschuhe an. Kopf über nun sorgfältig und gleichmäßig mit den Händen die Paste in die in die Haare massieren. Achtet darauf, dass ihr alle Stellen erwischt und arbeitet von einer Seite zur nächsten und achtet auf die Haaransätze. Wenn was daneben geht, am besten direkt mit Küchenkrepp entfernen. Hartknäckigere Flecken mit Olivenöl, Zitronensaft oder Backnatron wegwischen. Keine Angst: Henna färbt, aber alle Opfer wurden wieder "sauber"! ;)
 
6. Haare zusammenrollen. Nun setzt ihr euch entweder die in der Packung enthaltene Haube auf oder was immer ihr benutzt. Solltet ihr eine Folie verwenden, wickelt ihr diese mehrmals um den Kopf. Ihr solltet in jedem Fall darauf achten, dass die Ansätze gut bedeckt ist, sonst läuft der Kram unnötig runter und euch in den Nacken. Nun ein altes Handtuch turbanartig um den Kopf wickeln. 
7. Ihr könnt nun erst mal grob aufräumen, denn jetzt heisst es erst einmal Warten: Je nach gewünschter Farbintensität länger oder kürzer. Zu der optimalen Einwirkzeit gibt es unterschiedliche Auffassungen, auch wenn meist eine Einwirkzeit von 2-4 Stunden angegeben wird. Ich habe mich an Pseudoerbses Empfehlung gehalten, für ein intensives Farbergebnis eine längere Dauer von 8-12 Stunden zu veranschlagen. Man kann das Ganze natürlich auch gleich über Nacht einwirken lassen, aber da haben sowohl Schatzi als auch ich gestreikt! ;) Der Turban wird mit der Zeit immer schwerer – insofern: Versucht euch zu entspannen und habt Geduld! Da die meisten Menschen keine Wärmehaube haben, Wärme aber sehr gut ist, könnt ihr, wenn ihr Lust habt, zwischendurch den Turban anfönen. Ob das was bringt, weiss ich nicht! ;) Ich bilde es mir ein! :D
8. Nach der Einwirkzeit die Haare mit klarem Wasser ausspülen, bis keine Hennareste mehr zu sehen sind. Ja, das dauert!
9. Irgendwo habe ich gelesen, man solle sich dann 24 Stunden nicht die Haare waschen und auch nicht schwimmen gehen. Daran habe ich mich gehalten. Zur Pflege habe ich nichts Spezielles gemacht, wenn ich auch von Silikonshampoos weiter abrate. Aber ihr kennt euer Haar besser. Tut, was ihr für gut haltet! :)

Und hier der Vorher-/ Nachher-Vergleich:


vor dem Färben

nach dem Färben

Und weil man die Farbe hier noch besser sehen kann, hier noch ein Foto aus dem beschaulichen Alltag von Frau Momo - die Zahnbürste könnt ihr euch ja wegdenken! ;)

Eindeutig rot! ;)

Ende des Vortrags! :D

Für Henna-Tipps - gleich welcher Art - bin ich jederzeit dankbar! :)

 
Euch alles Liebe und ein wunderschönes Wochenende,
Momo im Hennahimmel

Quellen und Bildmaterial- danke an die Urheber:
Logona 
Kosmetik-vegan 
Indien-Produkte 
Het heksje
Bluebacardiswelt.blogspot.de
Shadownlight 
Frag Mutti

Kommentare:

  1. ...Gratuliere, ist toll geworden...ich hab's noch vor mir...

    vegan l♥ve&peace, miss viwi

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  2. Ganz lieben Dank.♥ Ich hab definitiv Blut geleckt!!

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  3. Danke für die wieder sehr ausführliche Berichterstattung. Eine Mühe, die du dir da machst. Die Farbe steht dir! Ich hatte oft die Farbe von Sante und damit gute Erfahrungen, obowohl ich das Gefühl hatte, egal welche Nuance ich genommen habe, dass sie bei mir alle gleich aussahen.

    Liebe Grüße

    Nini

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    1. Lieben Dank für das liebe Feedback.♥ Ich profitiere ja selbst davon, wenn ich mich erst mal in die Thematik hineinlese. Das dauert zwar, aber letztlich lern ich selbst unglaublich viel durch die Recherche und die anschließende Aufbereitung...:)
      Von Sante hab ich jetzt schon öfter gehört, es würde nicht soooo gut färben. Aber jeder Kopf ist auch anders. Das habe ich bei meiner Haarwasch-Experimentiererei in den letzten Monaten schon oft gemerkt! :D

      LG, Momo

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  4. Da schleiche ich jetzt auch schon eine Weile drum rum. Ich hätte ja auch gern wieder rot, aber kein Chemierot. Allerdings soll es schon heller sein als meine Ausgangshaarfarbe, also müsste man vorher aufhellen und ich hab total Schiss was dann anschliessnd das Henna mit meinen Haaren macht.

    8 Stunden... da hattest du aber echt Geduld. Sieht aber sehr gut aus.

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    1. Ja, das kann ich verstehen. Da würd ich auch an deiner Stelle erst mal nen Friseur fragen... Villeicht hast du ja sogar nen Naturfriseur in der Nähe, der dich beraten kann, bevor du dich am Ende nur noch mit Mütze raustraust! :/
      Danke fürs Kompliment! Ja, ich übe mic in Geduld. Ist nicht meine Stärke, aber es hat sich gelohnt, finde ich! :)

      LG, Momo

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  5. Sehr schön. :-) Hab jetzt auch schon 2x mit Henna gefärbt nach jahrelangem Chemie-Färben.
    Und beim 2. Mal und 4 Stunden Einwirken wars dann in etwa so, wie ich es haben wollte. ;-) Und die Haare sind so schön gepflegt, wenn man erstmal durch ist...

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    1. Danke dir! Kann dir nur beipflichten!

      LG, Momo

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  6. ...so und jetzt hat auch miss viwi die Farbe auf den Kopf gebracht...leider hätte ich fast vergessen und kann sie nicht ganz so lange oben lassen...

    ...und ja tatsächlich ich sitze unter einer WÄRMEHAUBE...genial...meine mama hat so ein Teil...

    schönen Abend,
    vegan l♥ve&peace, miss viwi

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    1. Das mit der Wärmehaube ist cool. :) Und - wie ist´s geworden?

      LG, Momo

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    2. ...ist wieder ganz schön geworden, vor allem glänzen die Haare danach wieder so schön und sehen so gesund aus...ich hätte sie zwar immer lieber ein bisschen heller, aber da spielt meine Naturhaarfarbe nicht mit...

      ...die wärmehaube ist total cool und erst wenn ich sie trage *gg*

      gute nacht, vlap, ms. v

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    3. Schön! :) Ja, das kann ich mir lebhaft vorstellen. Hab allerdings mehr die aus dem Friseursalon vor Augen!^^

      LG und dir nen schönen Tag,
      Momo

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