Sonntag, 5. Mai 2013

101 Dinge: Aufgabe 10 - Meine 1. Kräuter-"Wanderung"

Habe ich euch schon mal erzählt, dass ich bereits als Kind davon geträumt habe, in die "Lehre" bei einer echten Kräuterhexe zu gehen? Unglücklicherweise wuchs ich in einer Familie auf, wo niemand einen grünen Daumen hatte. :D Meine Oma hat zwar seinerzeit ein Büchlein mit wunderbaren Pflanzenportraits gefüllt und beschrieben, aber irgendwie war es bis zu ihrem Tode nie ein Thema zwischen uns, und das Büchlein ward ein Opfer der Flammen! :(
Ich musste erst 31 Jahre alt werden und meine 101-Dinge-Liste erstellen, bevor ich meine 1. Kräuter-Wanderung in Angriff nahm. Wobei es mehr Kräuter-Begehung als Wanderung war, aber dazu gleich mehr. ;)
Bis zur Kräuterwanderung im Juni mit Christine Volm in Köln wollte ich nicht warten. Schließlich bietet der Frühling so viele tolle Kräuter, denen ich sowohl virtuell als auch real immer wieder begegne. Nur was damit tun, wenn man nicht weiß, was sich hinter den lockendem Kraut verbirgt? Wer will sich die Hülle und Fülle bei einem Mal merken? Ich sicher nicht! 

Deswegen dachte ich mir, dass es gar nicht schaden kann, öfter eine solche Wanderung zu besuchen, als mich eine Bekannte auf Ruth Vossen aufmerksam machte, die monatlich für kleines Geld Kräuterwanderungen anbietet. Unsere für den April geplante Premiere fiel sprichwörtlich ins Wasser, und so war es der 1. Mai, an dem wir uns aufmachten, die Welt der Kräutergeheimnissse zu erforschen. Eine schöne Möglichkeit, in den neuen Monat zu starten und Beltane zu begehen, wie ich fand! :)

Um die Mittagszeit landeten wir bei Ruth, ihrem Mann und den vier Katzengeschwistern im Garten. Denn dort sollte die Begehung stattfinden, was ich für den Einstieg auch klasse fand: Denn hier wuchs wirklich alles Mögliche vor der Haustür, und recht schnell war klar, dass ich wieder kommen würde. Einmal, weil all´ das Kräuterwissen nicht auf einmal im Kopf Platz hat: "Es sind die Geschichten, die ihr braucht!" meinte Ruth, die der 2. Grund war, warum ich ganz sicher wieder kommen werde. Die Chemie stimmte einfach von Anfang an, und ich konnte soviel für mich rausziehen: Ruhe, Sinnliches, Freude, Spaß und die vage Er-Innerung an verschüttetes Wissen. 
Kraut um Kraut stellte Ruth uns vor, ließ uns riechen, schmecken, fühlen. Ihre Bildersprache, die Analogien zur Anthroposophie ebneten mir den Weg, machten es mir leicht, die Thematik zu erfassen. Wir hörten Anekdoten und Ruth wusste schier unerschöpflich Bescheid, wenn es um die Anwendungsgebiete ging. Wusstet ihr z.B., dass eine Tinktur aus Kapuzinerkresse ein natürliches Breitband-Antibiotikum ist? 

Was mir sehr gut getan hat, war Ruths Unbefangenheit  und die Ermunterung, auszuprobieren, zu riechen, zu schmecken. Ich habe mich jahrelang nicht an die Kräuter-Thematik rangetraut, weil im Zusammenhang mit Verwechslungsgefahren oft so viel Panik verbreitet wird. Stichwort "Bärlauch". 

Bärlauch


Maiglöcken - bitte nicht verzehren!
Schaut euch diese beiden Bilder an, und sagt mir, wie ihr die verwechseln wollt? Spätestens, wenn man am Maiglöckchen riecht, weiß man, dass da nichts Bärlauchiges dran sein kann. :D
"Wenn´s nicht schmeckt, wirst du ja eh nicht ne ganze Salatschüssel davon essen. Ein Blatt schadet da nicht!" Puh! Dem Himmel sei Dank. Keine reine Auswendig-Lernerei. Im Gegenteil: Die Bilder und Geschichten sprachen bei mir voll und ganz die Gefühlszentren an, die mir ein Erinnern leichter machen. Fasziniert haben mich die Katzen: Instinktiv holen sich die Tiere das, was sie brauchen. Sie probieren, und was nicht schmeckt, wird halt links liegen gelassen. ;)
Ruth erzählte, dass sie manchmal einfach nur auf der Wiese sitzt und sich durch die Kräuter futtert. Das Bild konnte ich mir lebhaft vorstellen, taten wir es ihr doch gerade gleich: Hier ein ein Blatt, dort ein Kraut - ich merkte, wie ich, mittags noch sehr "durch den Wind" zur Ruhe kam, mit allen Sinnen aufnahmebereit war und zu meiner Mitte zurückfand. Ein paar Kräuter mehr habe ich in der Tat nun verinnerlicht und war ganz stolz, dass ich sie nach einiger Zeit noch benennen konnte!:)
Den krönenden Abschluss bildete das gemeinsame Essen mit fast gänzlich veganem Inhalt. 


Nur die Tomatenbutter war vegetarisch. Ruth hatte sich liebenswürdigerweise auf die vegane Ernährung eingestellt, die ihr absolut kein Fremdwort war. Ansonsten gab es Wildkräuter-Pesto als Dressing zum selbst gesammelten Salat, Wildkräuter-Aufstrich, von Ruth gebackenes Brot mit Scharfgarbe und als Dessert Blätterteigpastetchen mit Gelee und Minze! So lecker. Ich habe nach 3 Monaten Abstinenz bewusst eine halbe Scheibe von dem Brot und auch ein paar sehr gute Kartoffeln probiert. Ansonsten habe ich mich natürlich querbeet durch den Salat gefuttert, während ich auf die Blätterteigpastete keine Lust hatte. Auch sonst muss ich sagen: Brot und Kartoffeln waren lecker, aber ich brauch´s derzeit nicht. :) Das freut mich schon. Besonders aber, dass ich bewusst genießen konnte - ohne Bewertung. Ich glaube, dass der Schlüssel tatsächlich im "bewussten Genießen ohne schlechtes Gewissen" liegt! :)
Zum Ende hin gab es noch ein Wildkräutermärchen zum Spitzwegerich, vorgetragen von Ruths Mann.:)

Neben 2 Fläschchen Tinktur (Stochschnabel als stabilisierende Unterstützung zu meiner Kundalini-Yoga-Challenge und Kapuzinerkresse, ein natürliches Breitband-Antibiotikum), ein paar Ablegern für meine Kräuterterrasse und wunderschönen Eindrücken nahm ich noch einen Buchtipp mit:


Schön an diesem Buch: Ihr habt ihr hier einen über 90 Kräuter umfassenden, durchgehend farbig bebildeten Bestimmungsführer. Zudem erhaltet ihr Ratschläge zu Anbau, Aufzucht und Ernte von Kräutern, welche die Pflanzen in unterschiedlichen Stadien ihrer Entwicklung zeigen, was ich persönlich sehr begrüße. Neben Rezeptem, die ich größtenteils eher vernachlässigen würde*g, gibt es auch ein Kapitel über die Herstellung von Schönheitsrezepten, die sich leicht veganisieren lassen.
Das Büchlein ist zwar etwas größer, passt aber dennoch gut in den Rucksack, aber für den Anfang legte Ruth es mir sehr ans Herz. Und bei einem Preis von 3,99 Euro kann man doch eh´ nichts falsch machen, oder?

Angefixt gab es gleich am Abend eine große Salatschüssel, angereichert mit Wildkräutern. Schatzi wollte ja wissen, was ich so kennengelernt habe und war sehr angetan von der Zusammenstellung! :)

Danke für einen wunderschönen Tag!

Schmankerl des Tages:
Passend zum Thema lege ich euch aufgrund der Empfehlung von Karmi und Amala Krähenfeder die Bücher von Wolf-Dieter Storl ans Herz, wahre Schätze, wenn es um Kräuterwissen geht! :)

Euch noch einen zauberhaften Frühlingstag!

Liebste Grüße,
Frau Momo

Kommentare:

  1. Oh wow, was für ein wunderbares Erlebnis! Danke für deinen Bericht!
    Wenn das Impressum auch der Ort der Kräuterwanderung ist, dann habe ich es gar nicht mal soooo weit. Eventuell könnte ich beim nächsten Mal ja auch mitmachen, wenn es arbeitstechnisch passt, das fände ich toll! Bei uns habe ich nichts entsprechendes gefunden. Und deine Beschreibung der Wanderung klingt wirklich angenehm. Bei vielen solcher Veranstaltungen geht es eher ums Wissen, das in den Kopf zu kriegen ist, und Panikmache bei Verwechslungen. "Wenn´s nicht schmeckt, wirst du ja eh nicht ne ganze Salatschüssel davon essen. Ein Blatt schadet da nicht!" klingt da viiiiel angenehmer. Und daß es dann noch ein Essen danach gibt, einfach wunderbar!

    Wenn du magst, meld dich einfach mal, wenn du wieder einmal mitmachst, ich wäre gerne dabei :-) (wenn das okay wäre).

    Danke auch für die Buchtipps!

    Was kam denn alles in deinen Salat? Und würde Ruth das Rezept für das Schafgarbenbrot verraten? ;-)


    Liebste Grüße,

    Kivi

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    1. Huhu Kivi,
      das fänd ich total schön, wenn du mit dabei wärst. Es gibt einerseits diese Termine bei Ruth direkt und auch welche vom Kneippverein, die sie auch durchführt. Letztere finden immer in der Umgebung statt - Lohmar, Much... Am besten schaust du mal in den Kalender (http://cib-gm.de/kalender/), welcher Ort bei dir passt. Oder du fragst Ruth mal, ob und wann sie wieder bei sich "Begehungen" anbietet. Das ist ja schon was Anderes, weil´s eben privater ist! Am 08.06. bin ich bei Christine Volm (Köln), am 15.06. ist die nächste Wanderung mit Ruth, allerdings nicht bei ihr daheim! :)
      Im Salat waren Löwenzahn und Spitzwegerich. Weiter als bis vor die Haustür wollte ich nicht laufen!^^

      LG, Frau Momo

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    2. Lieber wären mir die eher privateren "Begehungen" :-) Über den Termin mit Christine habe ich auch schon nachgedacht, doch da muss ich leider arbeiten den ganzen Tag. Der 15. würde besser passen, aber erst mal sehen wohin mich mein Weg führt ;-) Wäre auf jeden Fall klasse, denn dein Bericht hat mir Lust auf mehr gemacht! Ich kenne zwar für mich persönlich schon sehr viele Kräuter, die mir auch ausreichen würden, aber in dieser Sache würde ich dennoch gerne mehr lernen, einfach weil es mir so viel Freude macht!
      Löwenzahn ist eine super Idee, an den komme ich ohne daß er gedüngt oder sonstwas ist. Spitzwegerich haben wir leider nur am Wegesrand, und da ka*** überall Hunde hin :/ nicht so mein Ding.... Ich wasche zwar gründlich, aber das muss nicht sein...

      Beste Grüße!!

      Kivi

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    3. Ich habe Ruth nochmals angeschrieben wegen der eher privat gehaltenen Begehung! :) Ich melde mich auf jeden Fall bei dir, und dann schaust du, wie´s passt! :)
      Ich denke auch, dass es immer wieder was dazu zu lernen gibt! :)

      LG, Frau Momo

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  2. Was die Panikmache angeht - bei der Dusseligkeit mancher Leute vielleicht angebracht. Wer sich ein lecker Bärlauchpesto zubereiten will und Maiglöckchen nimmt - das schmeckt dann irgendwie anders als sonst, aber wie es genau schmecken soll weiss eh keiner/r (weil man das ja noch nie gegessen hat und ausprobieren will weils ja so gesund sein soll...). Tja, und dann sind ganz schnell 3 EL Maiglöckchenpesto reingemampft.

    Mit gesundem Menschenverstand (angewendet) alles kein Problem aber bei manchen Sachen, die man so mitbekommt, scheint der bei vielen Leuten nicht hoch im Kurs zu stehen heutzutage.

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    1. :D Na gut, aber genau so gut, könnte man befürchten, xy mit Maiglöckchen zu verwechseln. Ich sehe da echt keine Ähnlichkeit. An sich reicht´s doch zu vermitteln, dass man genau hinschaut und viell. für den Anfang wirklich erst mal ein paar Wanderungen mitmacht. Ich bin halt echt aus allen Wolken gefallen, als ich Bärlauch neben Maiglöckchen gesehen habe, weil ich da so gar keine Ähnlichkeit festellen kann, abgesehen von der Farbe und der Tatsache, dass beide Pflanzen längliche Blätter haben!^^

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    2. Ja, aber Du SCHAUST hin. Viele tun das nicht so genau.

      Und wenn sie direkt nebeneinander stehen, ist die Verwechslungsgefahr eher gering. Wobei dann immer noch nicht klar ist, welches Kraut welches ist.

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    3. :D Mag sein! ;) Dennoch nützt die Panikmache in meinen Augen nichts. Sie hat mich eher verunsichert, und ich war einfach nur froh, wie unbefangen Ruth an die Sache herangeht.
      Aber so findet wohl jeder den passenden Lehrer! :)

      LG, Frau Momo

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  3. Hallo!
    Die Wanderung klingt toll!

    Mich würde mal interessieren, wie Dir das Brot und die Kartoffeln nach den langen Wochen ohne diese Form gekochter/gebackener KH bekommen sind, so "magen-darm-technisch" gesehen?
    Ich hab ja ein Reizdarmsyndrom und eine starke Weizenunverträglichkeit, Kartoffeln gehen auch kaum, ich bekomme davon einen Megablähbauch und Krämpfe.
    Daher habe ich schon öfter überlegt, ganz auf Brot zu verzichten, derzeit esse ich ja "nur" glutenfreies Brot aus Mais/Hirse/Buchweizen, habe aber immer noch - wenn auch schwächere - Symptome., auch meine Haut "blüht" dann wieder mehr ....
    naja, schon nervig!

    Daher bin ich gespannt, welche Erfahrung Du jetzt mit der Brot-Abstinenz und der jetzt gegessenen Scheibe gemacht hast.

    Liebe Grüße

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    1. Liebe Nina,
      ich habe absolut keine Probleme gehabt! :) Und ich schiebe es wirklich darauf, dass ich bewusst "Ja" gesagt habe, mir kein schlechtes Gewissen gemacht oder mir die immer wieder suggerierten, gebetmühlenartig wiederholten negativen Folgen vor Augen geführt habe. Ich rede jetzt natürlich nur von mir. Jeder Mensch mag andere Erfahrungen machen. Ich habe keine Vorgeschichte, was Allergien angeht (bis auf Champignons).
      Tatsächlich bin ich der Überzeugung, dass viel von den "Symptomen" bei einem Wechsel von roh auf Gegartes mit unseren Kategoriesierungen in "Richtig/ gesund" und "Ungesund", sowie unseren Befürchtungen zusammenhängt, dass wir etwas nicht vertragen. Verstehst du, wie ich meine? Ich will dir damit nicht zu nahe treten. Wie gesagt: Ich spreche nur von mir, finde es aber schwer interessant, dass ich keine Probleme mehr mit Heisshunger oder sonstigen Wehwehchen habe, wenn ich mal was Unrohes esse, seit ich mir Unrohes nicht mehr madig rede, sondern es einfach genieße, wenn mir danach ist. :)

      LG, Frau Momo

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