Samstag, 11. Mai 2013

Buchbesprechung*: Autobiografie eines Yogi

Paramahansa Yogananda (Original erschienen in 1946): Autobiographie eines Yogi. Self-Realization Fellowship

Eines vorweg: Ich will dem Buch nichts!^^ 
Sein Verfasser gilt als einer der überragensten geistigen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts, seine Autobiografie - ein absoluter Klassiker - als Einführung in die Wissenschaft und Philosophie des Yoga,... die sich mir nicht erschlossen hat. :D 
Dennoch möchte ich diesen Beitrag dazu nutzen, meine Gedanken - in tiefem Respekt - darzulegen. Es liegt nicht in meiner Absicht, dieses Buch zu verreißen. Ich möchte nur schildern, wie es mir mit ihm ging und wie ich es wahrgenommen habe. Es gibt gewiss andere Rezensenten geben, welche die Seele dieser Autobiografie besser erfasst haben. :)

Das erste Mal, dass ich die "Autobiografie eines Yogi" gesehen habe, war bei meinem Vater, als ich 11 oder 12 Jahre alt war. In dieser Zeit veränderte sich für ihn sehr viel: Er, sonst eher der Verstandstyp, öffnete sich dem Thema alternativer Heilmethoden und musste im Zuge seiner Reiki-Ausbildung dieses Buch lesen. Es hat damals einen mächtigen Eindruck auf mich gemacht, so dick und erhaben kam es mir vor. Ebenfalls beeindruckend fand ich auch, dass mein Dad so etwas las. Es war für mich so was wie der Inbegriff von Spiritualität: Altes Wissen und kein Glamour-Eso-Gedöns, wenn ihr wisst, was ich meine;)
Lange Jahre habe das Buch völlig vergessen, aber im Zuge meiner vertieften Yogapraxis begegnete es mir natürlich erneut. Du kommst ja quasi als ernsthaft Praktizierender nicht daran vorbei, was immer in diesem Zusammenhang "ernsthaft" bedeuten mag!^^ Man MUSS es geradezu gelesen haben. Auch ich konnte mich dem Buch nicht entziehen, vielmehr noch dem Ruf, der ihm vorausging. Ich wollte mir selbst eine Meinung bilden und - wenn möglich - in den Genuss seiner Weiheit kommen.
Und ich habe es gelesen, die ganzen 503 Seiten. Und ich habe damit gekämpft, hätte es oft gar nicht erst zu Ende lesen mögen, wollte mir aber letztlich doch die Chance geben, eines Besseren belehrt zu werden. Vielleicht war es ja ein wenig wie mit dem Bergsteigen (Nicht dass ich das beurteilen könnte: Ich mag Bergsteigen nicht!^^) : Wenn du´s geschafft hast, wirst du mit einem wunderbaren Ausblick belohnt, wer weiß was für Endorphinen und wenn du Glück hast mit einer Gotteserfahrung! 
Eine Gotteserfahrung war das Lesen und Gelesen-Haben für mich jedoch nicht. Wohl eher eine Achterbahnfahrt: Höhen und Tiefen musste ich durchlaufen, vielmehr zähe Längen und immer wieder auch Abschnitte, denen ich fasziniert folgte und fast eintauchen konnte. Meistens aber kam  ich mir vor wie bei einer Übung, von der ich denke, dass sie Sinn macht, die mich aber eigentlich langweilt. :D Dafür kann das Buch vermutlich nichts, sondern liegt vielleicht mehr in meinen eigenen Widerständen begründet. Oder es ist einfach so!^^

Was ist mir begegnet? Eine mir sehr fremde Kultur: faszinierend tiefgründig, aber auch mit einem für mich eher zweifelhaften Hang zur absoluten Hingabe an den Meister und Guru. Dies schreibe ich vor dem Hintergrund meiner westlichen Kultur und Erziehung, die sehr auf Unabhängigkeit abzielte. 


Als Leser stieß ich auf ein kaum überschaubares Netz von ineinander verwobenen Menschenleben und Geschichten, auf eine Schilderung des geistigen Schulungsweges, den Yogananda hinter sich gelegt hat und auf einen Fundus geistiger Gesetze und Wunder, die er persönlich-überschwenglich, oft auch sehr präzise  beschreibt.  
Ich traf auf einen sehr eigenwilligen Schreibstil und verwirrend häufig wechselnde Perspektiven (und ich mag so was sonst recht gern). Eigenwillig in meinen Augen wohl, weil es zu einer anderen Zeit geschrieben wurde, einem gänzlich anderen Kulturkreis entstammt und sehr opulent daherkommt, um nicht zu sagen überladen bis langatmig, was nicht so meins ist. Was mir anfangs sehr übel aufstieß, waren die unendlich vielen erklärenden Fußnoten. Diese sind sicher hilfreich für den Forscher und zum tieferen Verständnis oft notwendig, stören mich persönlich aber eher im Lesefluss. So habe ich sie irgendwann links liegen gelassen, was dem Verstehen nicht immer zuträglich war.

Ein Buch mit sieben Siegeln ist es für mich noch immer und so fremd geblieben wie vor dem Lesen. Irgendwie schaue ich immer noch darauf und frage mich, was sich darin verbergen mag, das sich mir nicht offenbart hat und es vielleicht auch nie tun wird. Vielleicht lese ich das Buch in einigen Jahren erneut, wenn ich "weit" genug bin. Vielleicht bin ich aber weit genug zu sagen, dass es meine Seele einfach nicht berührt und dass es andere Lehrer gibt, die mir mehr sagen?! 
Bin ich jetzt unspirituell? :D Ich glaube nicht. Es ist vielleicht einfach so, dass uns manche LehrerInnen und ihre Werke mehr ansprechen und manche weniger. Und zum Glück gibt es davon nicht nur ein paar. ;) 
Das Buch ist ok,  ich bin ok, aber ob aus uns die wahre Liebe wird? Großes Fragezeichen!
Eins steht fest: Ich würde niemandem empfehlen, das Buch abends zu lesen, sondern eher mit klarem Kopf und viel Zeit zum Verinnerlichen und Nachschlagen und vielleicht auch dazu, es mehrmals zu studieren. Es ist vielleicht wichtig, sich zu vergegenwärtigen, dass hier keine reine Biografie auf Einen wartet, in die man sich reinfallen lassen kann, sondern streckenweise ein sehr anspruchsvolles bis wissenschaftliches Buch. Mein Nachbar hat sich die Hörfassung zugelegt und schätzt diese sehr. Vielleicht ist das ja auch eine Möglichkeit, sich Leben und Werk Yoganandas zu nähern?

Fazit: 
Sicher keine leichte Lektüre und kein Buch, das ich leichten Herzens und ohne Fußnote empfehlen würde. Kein Spaziergang, aber vielleicht erschließt es sich dem Einen oder Anderen eher wie mir?! 
Was es mir gegeben hat, war definitiv ein erneutes Gewahr-Werden und Erinnern von den Möglichkeiten des menschlichen Geistes. Der Umgang mit und das Ansprechen von Wundern kommt hier viel freier daher, wie wir es zumeist in unserer Kultur erleben. 
Was könnte ich lernen von diesem Buch? Die jahrelange, oftmals harte Disziplin ganz sicher. :D Bei dem uneingeschränkten Vertrauen in den geistigen Lehrer bleibe ich kritisch.;) Und ich Fräulein Altklug lässt grüßen! weiß auch warum! :D
Yoganandas Autobiografie  wird sicher weiterhin in meinem Bücherregal stehen bleiben, und vielleicht verfasse ich eines Tages eine neue Buchbesprechung dazu. Mal sehen! ;)

Ich freue mich über einen Austausch über eure Erfahrungen mit der Autobiographie eines Yogi*. Ging es nur mir so? Wie war eure Reise mit Yogananda?


 ♥-lich, Frau Momo

Kommentare:

  1. ich habe mir das buch gerade auf englisch gekauft und werde demnächst anfangen, es zu lesen. bin mal gespannt. nach deiner rezension umso mehr :D

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    1. Ich bin sehr gespannt, wie es dir damit geht! :)

      Liebe Grüße,
      Frau Momo

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  2. Vorweg - dieses Buch habe ich nicht gelesen. Aber in den letzten 30 Jahren sehr sehr viel über Indien, seine Geschichte und auch und gerade die Spiritualität.

    Danke für die Rezension. Ich hatte öfters die Frage, ob ich das angehen soll, aber irgendwie hat es mich nie wirklich "gerufen". Und nach der Rezension habe ich mehr als je zuvor das Gefühl, dass ich es nicht wirklich brauche.

    Eine sehr schöne, faszinierende (und m.M. gut lesbaren) Bericht über das Indien dieser Zeit, auch der gelebten Spiritualität, findet man bei Alexandra David-Neel in ihrem Buch "Mein Indien". Sie reiste ab 1891 (!) mit Anfang Zwanzig alleine durch Indien und hat sich wirklich sehr tief mit dem Land, den Leuten und der Spiritualität auseinandergesetzt. Sehr sympathisierend aber auch kritisch. Eine Frau, die sich ihre eigenen Gedanken gemacht hat.

    Sehr erfrischend zu lesen, auch wenn es mehr über Gurus zu sagen hat als über Yoga.

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    1. Liebe Birgit,

      danke sehr für die Buchempfehlung. Das hört sich sehr stimmig an. Ich schau´s mir mal an! :)

      LG, Frau Momo

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  3. Hi Momo :)

    Ich hab das Buch vor vielen Jahren gelesen, mein Reikimeister hatte es mir ausgeliehen. Ich war damals ziemlich begeistert und habe das Buch vor einiger Zeit erst der Wilden Wölfin empfohlen. Ich möchte es auf jeden Fall irgendwann nocheinmal lesen. Ich hatte damals gar keine Schwierigkeiten mit dem Buch und fand es eigentlich die ganze Zeit über spannend und interessant. Find ich total interessant das man das Buch auch ganz anders erleben kann! Da sieht man doch mal wie unterschiedlich die gleiche Lektüre auf Menschen wirken kann :)

    LG
    Karmi

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    1. Hey Karmi,
      das stimmt wohl. :) Aber zum Glück gibt´s ja nicht nur eine "Bibel"! :) Vielleicht ist es in ein paar Jahren auch nochmals was Anderes, aber muss ja auch nicht! ;)
      LG, Frau Momo

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  4. Habe das Buch vor kurzem gelesen und muss sagen es ging mir ähnlich wie dir. War zunächst positiv überrascht von dem Buch, doch es gab tatsächlich viele Stellen die sich in die Länge zogen und leider nicht zum weiterlesen animierten, auch wenn hier und da ein paar Schätze verborgen waren. Überrascht war ich zudem von den vielen Stellen die fast schon in die Fantastarei abglitten und hier als persönlich miterlebte Wunder dargestellt wurden. Diese Passagen wurden für mich einfach immer unglaubwürdiger und hinterließen mit dem Hintergrund des Titels "Autobiographie eines Yogis" einen faden Beigeschmack.

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