Samstag, 15. Juni 2013

10. Junikalender-Türchen: "Ansichten einer veganen Minimalistin"

Nina von Ninas Wunderland (heute: Ich coach dich - Komm spielen!)- wo habe ich sie ausgegraben? Ich kann´s nicht mehr sagen. Ich habe mich jedenfalls immer wieder mal bei ihr verlaufen, habe still mitgelesen und mich an ihren unaufgesetzten Beiträgen erfreut, die auf mich einen sehr authentischen, tagebuchähnlichen Eindruck machten. Auch bei ihr findet sich eine bunte Mischung aus dem, was sie gerade beschäftigt: das Leben als vegane Minimalistin, DIY, Spiritualität, Ernährung, das Erleben der eigenen Entwicklung und neuerding auch das Ankommen im christlichen Glauben. Ihre Beiträge sind sehr tagebuchähnlich und deswegen auch so lebendig und unaufgehübscht im positivsten Sinne!
Ganz aus dem Häuschen war ich, als ich entdeckt habe, dass wir quasi über einen Katzensprung hinweg Nachbarn sind. Und so ist Nina die erste Bloggerin, die ich persönlicher kennenlernen durfte, worüber ich mich über die Maßen freue, denn auch wenn wir hinsichtlich unserer Spiritualität ein wenig verschiedene Wege gehen, erlebe ich Nina und den Austausch mit ihr als sehr bereichernd, echt und unverstellt! Danke, Liebes, dass du dir in dem derzeitigen Gewusel, die Zeit genommen hast, einen Beitrag für den Junikalender zu schreiben.

Logo: Nina
 
Guten Tag, mein Name ist Nina und ich fühle mich beobachtet. 
 

Nun schreibe ich schon eine ganze Weile auf meinem Blog Ninas Wunderland (heute: Ich coach dich - Komm spielen!) und das tue ich immer gleich: Wenn ich etwas zu schreiben habe, tue ich es. Wenn nicht, lasse ich es. Ich schreibe ungefiltert das, was ich mag, und denke überhaupt nicht daran, was andere darüber denken mögen. Zwar hoffe ich, dass jemand liest, was ich schreibe, oft, weil ich mir Tipps wünsche, aber auch, weil ich so auf Austausch stehe und immer wieder gerne lernen mag. Was ich jedoch ernstlich nie tue: Mir vorher im Geiste den Post zurechtlegen und eine gewisse Wirkung erzielen wollen. Nie. 
 

Außer jetzt. Denn jetzt schreibe ich ja nicht einfach nur so, nein, jetzt schreibe ich ja einen Gastpost für den wunderbaren Junikalender von Frau Momo. Für einen Blog, der wahrscheinlich (ok, sicher!) deutlich mehr gelesen wird als meiner. Bei einer absolut genialen Aktion, auf die ich ja nie im Leben gekommen wäre. Bei dem Menschen zu Wort kommen, die viel besser schreiben können, die toller sind, die... STOP.


Ich wurde gefragt hier zu schreiben, also tue ich es! :-)


Meine Lieblingsautorin, Glennon, meines absoluten Lieblingsblogs momastery.com sagt immer: “No matter what: The most important thing is to just show up!”


Also tue ich das. Hier und jetzt. Hallo ich bin Nina und ich lebe vegan. Hallo ich bin Nina und ich habe drei Kinder. Hallo ich bin Nina und ich bin Minimalistin, hallo ich bin Nina und eigentlich finde ich mich gut so, wie ich bin ausser in den Momenten, wo ich so gern einen Marathon laufen würde, aber zu schwer und aus dem Training bin und ausserdem wahrscheinlich auch zu alt und wie-soll-man-das-denn-überhaupt-schaffen-zu-trainieren-mit-drei-kleinen-kindern-ich-habs-am-schwersten-buhu...


Seit meiner frühesten Kindheit bin ich - völlig ohne mein absichtliches Zutun! - Minimalistin. Das heißt: Ich miste lieber aus als zu kaufen. Ich verschenke lieber als zu besitzen und ich liebe Ordnung und Aufräumen. Das ist im täglichen Leben praktisch, weil es die Bude sauber und ordentlich hält. Es ist natürlich nicht immer einfach, weil der Mensch an sich dazu neigt, Dinge festhalten zu wollen. Erinnerungen, geheftet an Gegenstände. Es gelingt mir, auch wenn drei Kinder und ein Ehemann mit Anhaftungszwang es anders wollen.
 

Für mich ist Minimalismus eins der Schlüsselworte für eine vegane Ernährung. Es gibt tausend gute Gründe, sich vegan zu ernähren. Dazu kann man an unzähligen Stellen fundierte Studien, Links, Meinungen, etc lesen und hören. Umwelt, Gesundheit, Tierrechte, Trend. Auch meine Beweggründe finden sich darunter. 
 

Minimalismus ist aber auch ein wichtiger Punkt. In einer Welt, in der man innerhalb von Sekunden alles wissen, alles haben kann, bewusst zu sagen: Nein, ich treffe eine bestimmte Wahl. Damit meine ich nicht, dass diese vegane Wahl eine Einschränkung ist. Seitdem ich mich vegan ernähre, habe ich unzählige neue Gerichte, neue Lebensmittel ausprobiert, die ich vorher nicht einmal kannte. Dennoch richte ich meinen Fokus auf pflanzliche Nahrung. Für mich ist das gelebter Minimalismus. Und mir geht es gut damit. 
 

Aber was ist, wenn der Minimalismus plötzlich zum Zwang wird? Wenn ich aufräume, weil ich Ordnung, Struktur, Platz und optischen Frieden liebe, bringt mir das was. Wenn ich aufräume, weil ich gern aufräume, bringt mir das auch was. Wenn ich aber aufräume, weil ich mir ja gesagt habe, dass ich Minimalistin bin, ich zwar eigentlich gerade mit der Anzahl meiner Bücher im Schrank, mit der Ordnung im Wohnzimmer, mit dem Inhalt meines Kleiderschranks zufrieden und froh bin, aber unbedingt noch besser werden muss, in meinem Minimalismus - ja dann geht für mich der Sinn verloren. 
 

Manchmal wird die vegane Ernährung für mich zum Zwang. Dann vergesse ich, dass ich damit am gesündesten, am ausgeglichensten, am seelisch befriedetsten, am meisten ich selbst bin.


Dann denke ich: Ok, aber was mache ich heute noch?


Dann rufe ich Cronometer auf, dann vergleiche ich Nährwerte, dann esse ich Sellerie obwohl ich ihn nicht mag, dann verbiete ich mir auf veganen Backblogs zu lesen, weil „ungesund vegan“ nicht reicht. Weil es gesund, gesünder, am allergesündesten sein muss.


Das Ende vom Lied: Mein inneres Kind meldet sich. Mit einem Tobsuchtsanfall, der sich gewaschen hat, schmeisst es alles um, was ich mühsam aufgeräumt habe, kauft in einem Anfall 30 verschiedene bunte Kleinigkeiten, verstreut überall Spielsachen. Bildlich gesprochen. Unbildlich endet dies meist in Oreofressflashs. 
 

Dies soll ganz gewiss kein: "Everything in Moderation" - Post sein. Nee. Nee echt nicht. Ich lebe gern vegan, ich ernähre mich gern gesund, ich bin aus vollem Herzen Minimalistin, ich blogge gern (so gern!).


Aber manchmal... ist es einfach gut, so wie es gerade ist. Da ist das Meer ruhig. Da spüre ich, dass irgendwo am Horizont eine Veränderung auf mich wartet. Ich kann sie aber noch nicht sehen, noch nicht richtig fassen, also muss ich nicht losrennen, und sie suchen.


"Kommt Zeit, kommt Rat." "Don't push the river, it flows by itself". "Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht!"


Meine Lieblingszitate kommen mir immer wieder in den Sinn, wenn ich mal wieder perfekter sein will, als menschlich ist. Wenn ich mal wieder nicht einfach nur gut, sondern großartig sein will und damit meist (immer?) Gefahr laufe, kläglich zu versagen.


Just Show UP! Was bedeutet das für mich? Wenn ich mich jeden Tag vegan ernähre, wenn ich jeden Tag auf Obst und Gemüse schaue, wenn ich jeden Tag meine Ordnung und meinen Minimalismus, den ich so liebe, auslebe, wenn ich meine Kinder jeden Tag (so) liebevoll (es eben heute geht) erziehe, dann wachse und reife ich unweigerlich. Weil ich jeden Tag da bin und tue, was getan werden soll. Wenn ich jeden Tag das schreibe, was mich interessiert und bewegt, wenn ich hier schreibe, auch wenn ich mir vor Angst in die Hose mache, wenn ich einfach immer wieder sichtbar bin. Dann ist das genug. 
 

Immer wieder lese, höre ich von Menschen, die immer das gleiche tun und sich wundern, dass sich die Ergebnisse nicht ändern. Die ihren Hintern nicht hoch bekommen. Für die ist eine Veränderung sicherlich wichtig und angesagt. 
 

In der Tat gehöre ich aber zu den Menschen, für die es wichtig ist, einfach mal nur eine Weile immer das Gleiche zu tun, ohne sofort in die Überoptimierung zu verfallen. Denn wenn man eine Weile immer das Gleiche tut, wird man unweigerlich gut darin. Gut im Schreiben, gut im Ernähren, gut im Erziehen, gut im Laufen, gut im Minimieren. Vielleicht werde ich nie die beste Veganerin der Welt, die beste Bloggerin der Welt, die beste Minimalistin der Welt - aber sicherlich bin ich die beste Nina, die es derzeit gibt.


In diesem Sinne: Mistet aus, oder lasst es bleiben. Lauft, oder lasst es bleiben. Verbiegt euch beim Yoga, aber niemals im Leben. 
 

LOVE und PEACE von Nina
 

Weitere Junikalender-Beiträge findest du in dieser Übersicht!

Kommentare:

  1. wow - was für ein toller beitrag!
    vielen dank, nina, fürs schreiben ... ich schau jetzt gleich mal in deinem wunderland vorbei (hab die dunkle erinnerung, da irgendwann schon mal gewesen zu sein ...).
    und vielen dank, frau momo, für diese fundgrube im junikalender, ich bin begeistert!

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  2. Vielen Dank für diesen schönen und inspirierenden Beitrag!

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  3. Freut mich, dass der Beitrag euch gefällt und ebenso der Junikalender selbst!
    Viel Spaß bei Nina! :)

    LG, Frau Momo

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  4. ...das heutige Türchen ist wieder der Hammer: made my day...ich unterschreibe alle Komplimente meiner Vorkommentatoren =)!

    herzliche & glückReiche Grüsse

    ,),-, (\
    (>|);----,--`------
    `-);' (/


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  5. Ich liebe, liebe, liiiieebe diesen Post!
    Toll, es spricht mir grade voll aus der Seele und es ist wie ein erleichternder Seufzer der mir soeben entkam.
    Udn ich denke: Ja genau!
    Danke Euch ^^
    GLg, MamaMia

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