Montag, 10. April 2017

Bunt bewegen - meine Form verkörpern


Solang ich denken kann, war Bewegung eine Ressource für mich. Als luftiges Vata-Kind hatte ich viele Interessen und habe mich geistig immer auf vielfältige Weise bewegt. Umso wichtiger und selbstverständlicher war es für mich damals, mich auch körperlich zu bewegen. Es passierte automatisch, weil mein Zugang zu mir und meinen Bedürfnissen intakt war.
Als Erwachsene und mit der neuen Rolle als Berufs-Mensch war ich lange Zeit überfordert und konnte nicht so recht switchen von der alten Freiheit zu erlebter Fremdbestimmung und externen Reglementierungen. Wie du daran bereits siehst, waren mit den Jahren einige Glaubensmuster aktiv geworden, die ich nun gar nicht in Gänze aufführen muss. Das Ergebnis war auf jeden Fall, dass ich lange Zeit vergaß, wie gut mir Bewegung tat und wie wunderbar ich hierüber Erfahrungen verarbeiten, integrieren und Inspiration kreativ vernetzen kann. Entsprechend unausgeglichen war ich. Hinzu kam die PTBS, die mit einer hohen Übererregung und Aktionismus einerseits und daraus resultierenden Erschöpfungszuständen andererseits einherging. Ich habe viel von dem überschüssigen Adrenalin in mir ausagiert, ohne es wirklich abzubauen. Dadurch kam es immer wieder zu Phasen von Depression. Dies ist sehr vereinfacht ausgedrückt, und Bewegung allein ist vielleicht keine Lösung. Aber ich habe für mich nach Jahren "ohne" über´s Yoga wieder Zugang zu meiner alten Ressource gefunden. Ich habe mich daran er-inner-t, dass ich darüber einen gewissen Einfluss auf mein emotionales und körperliches Wohlbefinden habe.

  

Auch hier lief es nicht nach dem Schema "Erkenntnis = Umsetzung" ab, denn Veränderung braucht Zeit, gerade wenn es um Verhaltensmuster geht, die mit negativen Grundüberzeugungen zu tun haben, wie z.B. "Ich hasse meinen Körper!", "Ich bin zu viel!", "Ich habe keine Zeit.", "Erst die Arbeit und dann das Vergnügen!" usw..
In meinem Fall kristallisierte sich in immer mehr Bereichen die eine Frage heraus:

Wie sieht MEINE Form aus?

Nimm Ernährung, nimm Beruf oder in diesem Fall eben Bewegung. Es lief immer wieder hierauf hinaus. Letztlich fand ich also in meinen Essstörungen ("Begleiterscheinung" der PTBS) auch die wegweisende Frage und somit einen Aus-Weg. 

Dabei habe ich für mich 7 zentrale Faktoren herausgefunden:
  • Bewegung muss für mich bunt und vielseitig sein: Ich mag und brauche es, mich auf immer wieder neue Weise zu spüren. Schon als Kind habe ich unsagbar viele Sorten an Sport ausprobiert - natürlich nicht alle gleichzeitig, aber ich war immer wieder neugierig und am Experimentieren. Lange Zeit machte ich als Erwachsene den Fehler, mich auf eine Sache (in dem Fall Yoga) festlegen zu "wollen", aber das bewirkte eine gewisse Starrheit und auch Traurigkeit, bis ich mir nach am "Ende" eines langen Prozesses erlaubte, "viele" zu sein, wieder mehr zu spielen und auszuprobieren.
  • Bewegung darf und "sollte" Spaß machen. Ich neigte immer in der Vergangenheit wieder dazu, mich in vorgefasste Programme zu pressen. Ich bin aber nun mal kein Fitness-Studio-Typ. Ich will auch nicht laufen. Bislang jedenfalls nicht. Ich habe gelernt, dass ich Sportarten ausprobieren kann, aber nicht machen muss, wenn ich merke, dass sie mich mehr Energie kosten als sie mir geben. Ich darf in die Fülle eintauchen, aber ich darf auch loslassen, mich wandeln, wenn ich feststelle, dass etwas (gerade) nicht passt. Da wartet noch genug Anderes auf mich! ;)
  • Bewegung sollte also bedürfnisorientiert und adaptierbar sein. Je nach körperlicher und mentaler Verfassung gibt es Phasen, wo ich eher ruhige, sanfte Formen bevorzuge und es mehr um Regeneration, Entspannung - kurz: den Yin-Part - geht. Dann wieder will ich mich intensiv spüren, schwitzen, meine Kraft fühlen. Oder aber ich will´s sinnlich und mit Musik. Und auch wenn ich jeden Tag yogiere: Hatha Yoga ist für mich nicht alles und muss es auch gar nicht sein. Es gibt so viele wunderbare Bewegungsarten, dass ich mich nicht länger beschneiden, sondern mein Bunt-Sein LEBEN möchte.
  • Bewegung muss für mich zudem alltagstauglich sein. Das bedeutet, dass ich flexibel bleiben möchte, was den Ort, innere und äußere Umstände und die Menge der zur Verfügung stehenden Zeit angeht. Wir können viel selbst steuern, aber wir kennen alle auch diese Tage, wo einfach viel los ist und wir kaum wissen, wo uns der Kopf steht. Ich persönlich habe gemerkt, dass es dann zwar wichtig ist, dennoch etwas für mich zu tun. Jedoch bringt es mir absolut gar nichts, 2,5 Stunden Sadhana zu machen, wenn das noch ein Punkt mehr auf der Liste ist. Und glaub´s mir: Ich habe es mehr als ein Jahr lang getestet. :D An solchen Tagen - wie eben beschrieben - ist es für mich viel wichtiger, immer wieder untertags inne zu halten, eine kleine Körperübung einzubauen, ein paar Schritte spazieren zu gehen und mir, wenn mir danach ist, am Abend eine kurze oder auch längere Yin-Yoga-Einheit zu gönnen. Oder doch lieber ein Bad?
  • Simpel heisst für mich Komplexitätsreduktion: Bewegung muss für mich selbst steuerbar und jederzeit verfügbar sein. Insofern sind Kurse zu festen Zeiten eher nicht so mein Ding. Ich bin ein Impulsmensch, der viel Wert auf Gestaltungsfreiheit legt. Wenn ich erst ein Riesen-Equipment brauche oder nach Buxtehude fahren muss, wenn ich erst auf den Schnee zu warten habe und, und, und, um überhaupt anzufangen, kann ich es schon fast abschreiben. Nein danke! Ich will´s LEICHT! :)
  • Was ich in dem Zusammenhang festgestellt habe: Ich neige dazu, die für mich wichtigen Dinge hintenanzustellen, mich und meine körperlichen Bedürfnisse nicht so wichtig zu nehmen. Umso wertvoller war es für mich durch das Yoga eine tägliche Regelmäßigkeit zu entwickeln, meine Bewegung trotz aller Impulsivität bei meiner Tagesplanung zu berücksichtigen,
  • meine To-Do-Listen ressourcenschonend zu halten, auf Entspannung und Ruhephasen zu achten.

Wie sieht Bewegung nun konkret bei mir aus?

Ich probiere immer wieder gerne Neues aus und habe auch Phasen, in denen ich z.B. regelmäßig schwimme oder meine, reines Krafttraining wäre genau mein Ding. Bei aller Probierfreude gibt es in der Tat aber auch Elemente, denen ich meine Treue halte: 
Yoga ist für mich eine wunderbare Weise, mich mit mir/ meinem Körper zu verbinden, mich zu erden und zu erfühlen, wo ich gerade stehe. Es vergeht kein Tag ohne Yogapraxis, auch wenn die Zeiten je nach Bedarf variieren. Ich liebe Yoga im Bett! :) Es ist herrlich, sich genüßlich, sanft und intuitiv unter der warmen Bettdecke zu regen! Während des Tages nutze ich Asanas, um mich zu zentrieren und mein Bewusstsein im Körper zu verankern. Immer wieder übe ich abends mit Videos oder einem Buch. Einen Kurs besuche ich derzeit nicht.
Ich bewege mich vom Spektrum her oft im therapeutischen Yoga und im Yin Yoga, weil ich so sehr passgenau, sanft und anatomisch schonend praktizieren kann. Manchmal lachen mich auch neuere Formen an, und ich mache Ausflüge in andere Traditionen. Was immer sich eben richtig anfühlt. 


Außerdem gehe ich sehr regelmäßig in der Mittagspause spazieren. Die frische Luft klärt meinen Geist, pustet das Herz frei und tut mir gut, wenn ich den Kopf leer bekommen möchte. Oft kommen mir dann auch kreative Ideen, und immer wieder halte ich "Soul Talk": Ich verbinde mich mit mir, spreche mit mir, baue mich mental auf, fokussiere und visualisiere offene Türen für meinen Herzensweg.


Ich habe schon früher liebend gern getanzt - ob in der Kindertanzgruppe, später in der Tanzschule, beim Jazz Dance oder auch einfach frei. Liebend gerne hätte ich Ballett gelernt, aber da ich auf einer Insel groß geworden bin, gab es leider keine Möglichkeit. Auf jeden Fall begleitet mich Tanzen schon mein Leben lang - in der einen oder anderen Form. 
Mein Schatz mag Tanzen leider gar nicht. So habe ich es einige Jahre schleifen lassen. Aus einer Laune heraus bin ich im letzten Jahr über den Youtube-Kanal HappyundFitDance gestolpert und habe wieder zu meiner alten Leidenschaft gefunden. Ich mache im Rahmen meiner Morgenroutin mit meiner Lieblings-Amiena oder anderen sympathischen Ladies Dance- und Barre Workouts und LIEBE es! Es ist für mich ein hervorragendes Mittel, um in die Freude und in die Lebendigkeit zu kommen. Und natürlich tue ich zudem was für meinen Körper. Hier findet ihr meine bevorzugten Dance-Workouts.

Ich freue mich über eure Anregungen: Was macht euch Spaß? Welche Tipps habt ihr um EURE Form zu finden und zu verkörpern? Und wie immer: Lass dich inspirieren, spiel damit, wenn du magst, und integriere, wenn´s zu dir passt. :) Ansonsten: Lass es liegen und schau dich nach etwas um, was zu DIR passt!

<3-lich, Frau Momo

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