Montag, 17. April 2017

Bunt essen - meine Form finden

In diesem Beitrag habe ich bereits einen kleinen Einblick in meine Geschichte mit "Essen" gegeben. Gerät mein Perfektionismus außer Rand und Band, werde ich streng wie Fräulein Rottenmeier. 
Und da alles immer nach Ausgleich strebt, schwingt das Pendel irgendwann wieder ins Gegenteil. Vermeintlich gute Vorsätze gehen über Board und das andere Extrem gewinnt Überhand. Und huih: Wieder von vorne das ganze Spiel.
Ich habe dieses Prinzip in mehreren Bereichen meines Lebens x-Male durch. Nimm Essen, nimm Bewegung oder auch Arbeiten. Ich weiß aus Erfahrung, dass zu feste Regeln für mich nicht funktionieren, weil sie mich auf Dauer zu viel Kraft, Energie und auch Freude kosten. Einige von euch kennen vielleicht das Pareto-Prinzip, das sich zum Glück auch im Bereich "Healthy & conscious eating" immer größerer Beliebtheit erfreut. Es besagt, dass wir 80% der Wirkung mit 20% Aufwand erreichen. Die restlichen 20% erfordern umgekehrt glatt 80% unserer Energie! Ist es das wirklich wert?
Ich merke heute, wieviel besser es mir tut, wenn ich nicht jedes Gramm Zucker kontrolliere, jeden Kaffee auf der Goldwaage auswiege oder mich geisele, weil die Mango natürlich nicht lokal angebaut wurde.
Nicht dass ihr mich falsch versteht: Ich bin nicht für Beliebigkeit. Mir sind Werte sehr wichtig, auch und gerade beim Essen. Ich finde Bio toll, ich liebe pflanzliche Ernährung und finde saisonale Produkte super. Aber ich bin nicht mehr bereit, starre Regeln über mein Wohlbefinden zu stellen, wie eine liebe Bekannte es einmal ausdrückte. Orientierung in Richtung gesundes Essen dagegen: Ja, gerne!


Bunt essen - was heisst das für mich?

Wohlbefinden vor starren Essens-Regeln:
Ich darf mir den ganzen Regenbogen erlauben. In mir gehen die Alarmsignale los bei dogmatisch einzuhaltenen Vorgaben wie:
  • kein Zucker
  • kein Weißmehl  
  • nichts Tierisches  
  • kein Brot
  • kein Koffein
  • keine  stark verarbeiteten Produkte
  • kein Gluten
  • nicht nach 18:00 Uhr essen
  •   ...
Grundsätzlich ist gegen diese Konzepte nichts einzuwenden, und jeder muss für sich selbst herausfinden, was ihm taugt. Wenn ich nun jedoch nach einem langen Tag im Büro einmal im Monat ne Pizza in den Ofen schiebe und nicht um 20:30 Uhr Zucchini-schnibbelnderweise in der Küche stehe, dann ist das wirklich kein Drama, und der Healthy living-Gott wird nicht vom Himmel.... Ihr versteht schon!
Bitte berücksichtigt meinen Ausgangspunkt: Ich hatte eine (zeitweise) lebensbedrohliche Ess-Störung, und für mich ist es Gift, auch nur an Verbote zu denken. Das mag bei dir anders sein, und wenn es bei dir funktioniert und es dir damit wirklich gut geht - meinen Segen hast du! :) 

Regelmäßig und bedürfnisorientiert essen und trinken:


Ich habe Jahre gebraucht, um für mich eine Regelmäßigkeit im Essen und (gesunden) Trinken zu etablieren. Von Frühstück wollen wir gar nicht erst reden. Ich hatte eine sehr verquere Einstellung dazu, was ich an Nahrung "verdiente" und lief ständig hungrig durch den Tag. Ich aß Unmengen an Möhren und Äpfeln, um dieses Defizit auszugleichen und verkaufte es mir selbst erfolgreich als "gesundheitsbewusst". Ich trank täglich bis zu 7 doppelte Espressi, später Instantcappucchino en masse (ja, das böse Zucker-Zeug*g) und literweise Cola light.  
Heute esse ich regelmäßig 3 Mahlzeiten plus 1-3 Snacks, je nach Tagesform. Das hört sich etwas unspezifisch an, aber ich habe gemerkt, dass mich auch hier zu starre Vorgaben stressen und mir nicht entsprechen. Manchmal stehe ich später auf, und dann verschiebt sich der Tagesrhythmus. Dennoch lege ich auch an solchen Tagen wert auf drei Hauptmahlzeiten und Snacks in passender Menge. Ich habe mir angewöhnt 2-4 Liter Wasser und Tee zu trinken. Das hat erheblich dazu beigetragen, dass ich mich besser konzentrieren kann kann und zudem mein Energielevel angehoben! :)
 
Gesund essen aus Selbstliebe:


Bunt essen heisst für mich nicht, dass ich beliebig jeden *Sch**** in mich hineinstopfe. Im Gegenteil versuche ich bewusst UND mit Leichtigkeit zu essen. Es bedeutet, nicht ständig zu allem "Nein!" zu sagen, weil es mir eine Regel gebietet. Wenn eine Freundin Kuchen gebacken hat und ich Appetit darauf habe, sage ich "Ja!" Wenn ich am Nachmittag mal Lust auf eine 2. Latte bekomme, verzichte ich nicht. Ich esse/ trinke ja nicht jeden Tag "so".
Man kann sich bezüglich vermeintlich gesunder Motive wirklich gut an der eigenen Nase herumführen. Für mich bedeutet "gesund essen aus Selbstliebe", dass ich meinem Körper das gebe, was er braucht. Wie im Yoga ist "Nachspüren" kein schlechter Ratgeber. Wenn mir etwas nicht bekommt, merke ich das durch Anzeichen wie Müdigkeit, Völlegefühl, aber auch schon viel früher durch leichte Übelkeit und Unwillen beim Essen. Das nehme ich Ernst. Sorry für das Essen, aber dann lasse ich es lieber und mache mir etwas Anderes.
Ich will hier keine schnellen Tipps geben. Gerade im Fall von emotionalem Essen/ Nicht-Essen gibt es oft keine fixe Lösung, da das Ganze ja Ursachen hat. Ich kenne zudem deine spezielle Situation nicht kenne und kann nur von mir sprechen. Für mich geht es v.a. um eine innere Haltung des Erlaubens: Unsere Angst ist vielleicht, dass wir ohne Regeln nur noch Schokolade futtern und nichts Anderes mehr wie Fast Food in uns hineinstopfen. Aber ich glaube, dass diese Gier und die Angst davor (auch) entstehen, weil wir uns eben nicht erlauben zu sein, zu essen, zu  verKÖRPERN, was und wer wir sind. 
Ich möchte es mir wert sein, gesunde, vielfältige Nahrung zu mir zu nehmen, da ich spüre, dass sie meinen Körper aufbaut, erhält und stärkt. Konkret bedeutet das z.B., dass ich
  • in meiner Küche Kokosblütenzucker*, Honig und Trockenfrüchte in Maßen verwende, im Café Hinz-Kunz aber eben auch mal weißen Haushaltszucker,
  • verschiedenste Vollkornmehle verarbeite, aber bei der TK-Pizza oder im Restaurant auch mal Fünfe gerade sein lasse,
  • sehr viel weniger Koffein zu mir nehme, aber meinen morgentlichen Latte macchiato einfach liebe und mir auch nicht madig reden lasse,
  • möglichst natürliche und unverarbeitete Lebensmittel bevorzugt nutze, mich aber bei Ausnahmen nicht verrückt mache,
  • nicht nur Bioprodukte kaufe, mich aber "bemühe",
  • ... 
Spaß am Essen:
 

Ich habe LUST auf gesunde Küche, nur eben nicht auf 100%, zu denen ich mich kasteien muss. Die restlichen 20% mehr (s. Mr. Pareto), die ich mit Biegen und Brechen (Hallo Wortspiel!) erreichen könnte, sind mir den Aufwand nicht wert. Ich möchte mich nicht mehr quälen. Essen soll eben auch Spaß machen. Ihr habt sicher auch schon so genannte "Körndl-Fresser" gesehen, die komplett unzufrieden wirkten. (Ich darf das sagen! Ich gehörte selbst dazu, auch wenn ich es mir nicht eingestehen wollte...) Nichts gegen Körndl! Ich liebe sie, aber ich mag eben auch mal klebriges Popcorn. Essen macht mir Spaß, wenn ich FREI ausprobieren und experimentieren kann, in einer guten Atmosphäre esse und ohne schlechtes Gewissen, was zuweilen immer noch ein Thema sein kann. Ich liebe es, neue Produkte zu testen und Rezepte zu entwickeln. Demnach darf Essen vielfältig und immer wieder anders sein.
Kochen mit Freunden ist heute eine Freude und kein Tanz im Minenfeld mehr. Ich muss nicht mehr so viel kontrollieren, kann auch mal abgeben, mich versorgen und bekochen lassen. Es muss nicht alles so stark reglementiert sein. 
 
Simpel und alltagstauglich essen:


Mal ehrlich: Ich finde die Idee von Selbstversorgung zwar toll, aber vieles davon ist für mich wirklich nicht praxistauglich, denn ich lebe eben nicht in einer Kommune, in der jeder seinen festen Aufgabenbereich hat. Ich kann nicht jeden Joghurt selber herstellen, und auch Brot backe ich nicht immer frisch. Eine Lebensweise muss eben auch machbar sein und sollte nicht in permanenten Druck und Stress ausarten. Davon haben die Meisten von uns eh schon genug. Auch bei uns gibt es Alltags-Gerichte und nicht immer jeden Tag kleine Meisterwerke wie im 5-Sterne-Restaurant.  
Manchmal habe ich die Zeit einfach nicht, um alles selbst zu machen. Aber ich bin ein absoluter Freund von Vorbereitung: So bereite ich abends etwa meinen Frühstücksbrei schon vor und gieße morgen nur noch das heisse Wasser dazu, schnibbele das Obst hinein und lasse ihn ziehen. So habe ich morgens mehr Ruhe und Zeit. Wenn´s untertags  mal länger dauert wie erwartet, laufe ich nicht Gefahr hungrig zu werden, weil ich immer verschiedene Snacks dabei habe (z.B. Studentenfutter, Müsliriegel und Obst).

Authentisch essen:
 

Ich finde es toll, wenn jemand seinen eigenen Garten hat und Kräuter und Gemüse selbst anbaut. Aber ganz ehrlich: Ich bin nicht dieser "Jemand" und werde es vermutlich auch nie sein. Vielleicht versuche ich mich mal im Kartoffel-Ziehen, aber es wird eher keins der Dinge sein, die Einlass in meinen Alltag finden. Und nur weil irgendein Trend gerade mal wieder aufzieht, muss ich nicht jeden mitmachen. Ich darf mich inspirieren lassen, wenn mich etwas anspricht. Aber ich darf auch entscheiden - denn ich bin schon groß - : "Diese Suppe esse ich nicht!" Essen sollte DIR schmecken und nicht "Glorious, happy, shining Sue" (nein, keine Anspielung - alles gut! <3). Spiele, teste, aber verwirf auch immer wieder, wenn etwas nicht zu dir gehört. In diesem Sinne "Stay true!" - "Bleib dir selbst treu!"

Nochmals zusammengefasst:
  • Wohlbefinden vor starren Essens-Regeln
  • regelmäßig und bedürfnisorientiert essen und trinken
  • gesund essen aus Selbstliebe
  • Spaß am Essen
  • simpel und alltagstauglich essen
  • authentisch essen
Hierzu sei eins gesagt: Es hört sich vielleicht für manch Einen toll an, was ich da skizziere: Für mich bleibt es ein Prozess und ist (noch) keine Selbstverständlichkeit, denn Fräulein Rottenmeier schleicht sich immer mal wieder durch die Hintertür hinein. Aber so what: Ganz so übel ist sie gar nicht. ;)

Wer es noch konkreter will, der bekommt hier einen bildhaften Eindruck, was ich so am Tag verputze. Nicht als Anleitung zum Nachmachen gedacht, denn ich bin ich, und du bist du, aber ein paar Illustrationen schaden ja nicht. ;)

Und jetzt würde ich gerne von dir wissen, wie "Bunt essen" bei dir aussieht und was dir hilft/ geholfen hat, deine Form dabei zu finden. Hinterlass mir doch einfach einen Kommentar und hab ansonsten noch einen wunderbaren Ostermontag! <3

Herzlich, Frau Momo

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